Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 65
verschiedenen Menschenstämme ursprünglich höchst wahrscheinlich
gleich oder nahezu gleich gewesen. Das frühere oder spätere
Heraustreten einzelner Völker aus dem Naturzustande läfst er
von den natürlichen und sozialen Verhältnissen abhängig sein,
unter welche sie gestellt waren; deren Verkettung und vielfache
Verschlingung bedingte ganz vorzugsweise die Gröfse und Schnellig-
keit der Schritte, welche sie in ihrer Kulturentwickelung gethan
haben. Damit stimmt die Thatsache überein, dafs es heutzutage
ein reines Naturvolk gar nicht mehr giebt; dafs unsere Erde
streng genommen nur noch Kulturvölker, wennschon von aufser-
ordentlich verschiedenem Kange, beherbergt. Dafür sprechen auch
noch die folgenden Daten. Alle neueren Reisenden stimmen
darin überein, dafs die geistige Kapazität der Indianerstämme an
und für sich nicht geringer sei als die der Weifsen, und dafs es
nur fortgesetzter, freilich sehr lange fortgesetzter Erziehung be-
dürfe, um sie allmählich und langsam auf dieselbe Stufe mit den
Weifsen zu heben; ganz besonderes Talent zeigen dieselben für
die nachahmenden Künste. Sogar noch begabter als die Indianer
scheinen die Eskimos, wenigstens die der nördlichen Gegenden, zu
sein; dieselben werden als in hohem Mafse bildungsfähig be-
zeichnet. Auch die geistige Begabung der Malayen und der
Polynesier gilt nicht für niedriger als die der Europäer. Selbst
den Australiern, die gewöhnlich als die kulturunfähigsten Stämme
betrachtet werden und wirklich auf der niedrigsten Kulturstufe
stehen, spricht Waitz dieselbe Intelligenz und Geschicklichkeit zu,
wie den anderen Menschenrassen; er will aus gewissen Anzeichen
schliefsen, dafs sie von höherer Bildung aus irgendwelchen Ur-
sachen herabgesunken seien. Man wird thatsächlich in Ansehung
des vorhandenen empirischen Materials zugeben müssen, dal's die
Entwickelungsfähigkeit im allgemeinen bei allen Völkern der Erde
die gleiche zu sein, ebenso wie dafs die geistige Begabung an
und für sich genommen nur geringe Differenzen zu zeigen scheint.
Aber anderseits sind doch auch nicht die Unterschiede zu über-
sehen, welche bezüglich der Begabung und Beanlagung wie ein-
zelner Menschen so auch ganzer Gruppen bestehen. Dieselben
sind eines Teils bedingt durch natürliche Faktoren, durch die
geographischen Verhältnisse und Erscheinungen, unter denen nament-
lich das Klima eine bedeutsame Rolle spielt, ferner aber auch
durch geschichtliche, soziale und kulturelle Faktoren. Ein Beweis
dafür ist folgender Umstand. Es ist eine von verschiedenen
Reisenden und Forschern beobachtete Thatsache, dals die Neger-
Bergemanu, Soziale Pädagogik. 5