Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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64 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
entwickeln sich wohl beständig weiter, das Kulturleben verfeinert
sich zwar beständig; aber diese Entwickelung geht nicht überall
in derselben Weise vor sich; dieselbe ist an manchen Stellen
• gröfseren, an anderen geringeren Hemmungen und Hindernissen
ausgesetzt. Das rührt daher, dafs die geistigen Kräfte zu den
physischen Kräften und beide wieder zu dem, was man Materie
nennt, in innigster Beziehung stehen; dafs unter diesen mannig-
fache Abhängigkeits-Verhältnisse gesetzt sind. Die Menschheit
tritt uns daher nicht als ein einziges grofses Kulturvolk entgegen,
sie steht nicht in ihrer ganzen Ausdehnung auf der nämlichen
Kulturhühe; sondern wir machen die Beobachtung, dafs sie
in eine grofse Zahl von Gruppen zerfällt, die aufserordentliche
Verschiedenheiten aufweisen: die einen sind ungeheuer fort-
geschritten, die anderen stark zurückgeblieben. Diese Unterschiede
sind so augenfällig, dafs manche Forscher sich zu der Behauptung
haben hinreifsen lassen, dafs gewisse Menschheitsgruppen über-
haupt nicht entwickelungsfähig seien. So behaupten z. B. Klemm,
Wutke u. a., dafs nur die weifsen Völker entwickelungsfähig
sind; und sie stellen diese als aktive den passiven Stämmen gegen-
über. Agassiz und Morton vertreten die Ansicht, dafs die
weifsen, als die höheren Rassen — dafs sie das sind, ist freilich
unleugbar, d. h. sofern sie in der Entwickelung weit gröfsere und
schnellere Fortschritte gemacht haben — dazu bestimmt seien, die
anderen Rassen zu verdrängen, weil sie mit höheren Instinkten
ausgestattet seien. Hingegen hat sich Alexander von Hum-
boldt für die Einheit des Menschengeschlechtes erklärt und nimmt
demgemäfs keine prinzipiellen Unterschiede zwischen höheren und
niederen Rassen an. Wenn er einige Volksstämme als bieg-
samer anderen gegenüber bezeichnet, so ist das kein Widerspruch,
sondern so zu verstehen, wie Darwin z. B. von einer plastischeren
Organisation infolge der Domestikation redet. Und Waitz kommt,
nach Sichtung des umfangreichen Materials, zu dem Schlüsse,
„dafs, wie auf physischem Gebiete die Unterschiede der einzelnen
Völker innerhalb derselben Rasse nicht kleiner sind als diejenigen,
welche man zwischen zwei spezifisch verschiedenen Haupttypen
selbst findet, ebenso auch auf dem Gebiete des geistigen Lebens
die Verschiedenheiten der Begabung und Kulturentwickelung an
einzelnen Gliedern derselben Rasse, ja sogar an demselben Volke
zu verschiedenen Zeiten nicht minder beträchtlich erscheinen als
diejenigen, welche man als spezifisch nur den Hauptrassen selbst
zuschreiben möchte." Nach ihm ist die geistige Begabung der