Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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62 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
beider Berücksichtigung deutlich erkennen läfst. Um dies zu ver-
mögen, müssen wir uns mit der Form des Lebens, die wir als die
höchste kennen gelernt haben, noch etwas genauer beschäftigen.
Wir müssen dieselbe analysieren; wir müssen also den Be-
griff der Kultur näher bestimmen, nach Inhalt sowohl
als auch nach Umfang. Die Kultur ist, sagte ich, die höchste
Erscheinungsform des Lebens; sie ist höchst potenziertes be-
wufstes Leben, sie ist das geistige Leben. Die Summe aller der
Formen, in welchen sich dasselbe äufsert, in welchen es seinen
Ausdruck findet, das ist somit das, was wir als Kultur bezeichnen.
Das geistige Leben dokumentiert sich nun in der Bil-
dung von Staat, Recht und Wirtschaft, von Moral und
Sitte, von Kunst, Religion und Wissenschaft. Diese ver-
schiedenen Formen des geistigen Lebens oder, wie ich auch sagen
kann, diese verschiedenen Aufserungen des Menschengeistes — denn
die Menschheit ist ja der Träger des geistigen Lebens — beruhen
auf einer grofsen Mannigfaltigkeit von Kräften, jener Kräfte,
die wir eben als geistige Kräfte bezeichnen. Dieselben machen
im allgemeinen Kräftekomplex eine besondere Gruppe aus, ihr
steht gegenüber die der physischen Kräfte. Über das Verhältnis
dieser beiden Kräfte - Gruppen zu einander sehen wir noch nicht
ganz klar; nur soviel wissen wir und können wir getrost sagen,
dafs zwischen ihnen und ferner auch der sogenannten Materie ein
inniger Zusammenhang besteht; dafs sie zu einander in den in-
timsten Beziehungen stehen; dafs sie wohl qualitativ voneinander
verschieden sind, aber eine gemeinsame Wurzel, die sich der
direkten Erfahrung entzieht, haben müssen. Als Beweis dafür
kann das unleugbare Vorhandensein des Unbewufsten gelten, auf
das jeder von uns in seinem Leben auf Schritt und Tritt stöfst;
das jeder von uns in sich vorfindet. Unser ganzes Leben fliefst
ja in dem beständigen Wechsel von Bewufstsein und Unbewufst-
sein dahin; fort und fort taucht ja das bewufste Leben unter ins
unbewufste und geht dann wieder aus diesem hervor. Vor-
stellungen, Gefühle, Strebungen kommen und verschwinden und
kommen wieder. Wo bleiben sie, wenn sie verschwinden? Woher
kommen sie wieder, wenn sie verschwunden gewesen sind? Aus
etwas kann nicht nichts und aus nichts kann nicht etwas werden
Das bewufste Leben wird ein unbewufstes, und als solches ist es
nicht minder wirklich als das bewufste, nur ist es eine andere
Art der Wirklichkeit, eben die wurzelhafte Wirklichkeit für die
Materie und die physischen und die psychischen Kräfte, die aller