Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 61
Wert kann ich in der That für Gegenwart und Zukunft der
Religion nicht zuerkennen. Darum eben ist die verkappte, die sich
als Wissenschaft geberdende Religion, oder spekulative Philosophie,
welche in Folge ihrer eingebildeten Wissenschaftlichkeit mit einer
so bescheidenen Stellung nie zufrieden sein wird, energisch zu
bekämpfen.
Versuchen wir nunmehr, aus dem Gesagten die Nutz-
anwendung bezüglich des Problems, das uns hier beschäftigt, zu
ziehen, fragen wir also, welches Ziel demzufolge der Erziehung
gesteckt werden soll, so werden wir sagen müssen: wenn wir
sehen, dafs die reifen Menschen ihre Kräfte an die Lösung der
Aufgaben des Lebens setzen; wenn wir wissen, dafs sie das thun
müssen, so ist es unsere Schuldigkeit, den Heranwachsenden über
diese Aufgaben die Augen zu öffnen, sie dieselben kennen zu
lehren und sie darauf vorzubereiten, damit sie imstande sind, der-
einst daran erfolgreich mitarbeiten zu können. Dieses Ziel hat
man, im Grunde genommen, der Erziehung stets gesteckt, wenn-
schon man es nicht immer so klipp und klar ausgesprochen hat;
wennschon man sich nicht selten darin gefallen hat, es mannigfach
zu verklausulieren. Aber in einem Stücke und zwar dem
wichtigsten sind wir jetzt, wie erwähnt, den früheren Geschlechtern
überlegen, darin, dafs wir die Aufgaben des Lebens besser kennen,
tiefer erfafst haben, weil wir vermögen, dieselben aus ihm selbst
zu erkennen, sie nicht mehr in dasselbe von aufsen hinein-
tragen. Dadurch sind wir in den Stand gesetzt, den Zögling so
zu bilden, dafs er mit vollem Bewufstsein seine Kräfte an der
rechten Stelle einsetzen kann; dafs er sich nicht vom Leben
gleichsam treiben zu lassen braucht, oder dafs er nicht in Konflikte
mit der Wirklichkeit gerät, wenn er an sie mit aus der Welt der
Phantasie hergeholten Idealen herantritt, in Konflikte, die oft so
entmutigend wirken und jedenfalls stets eine ungeheure Vergeudung
von Kraft und Zeit bedeuten.
Es ist jedoch nötig, das Erziehungsziel noch präziser zu
formulieren, als dies bislang geschehen ist. In dem, was ich
darüber gesagt habe, liegt zweierlei beschlossen: ein formales
und ein materiales Moment. Jenes ist in der Forderung ent-
halten, die Kräfte des Zöglings so auszubilden, dafs er an der
Lösung der Aufgaben des Lebens sich zu beteiligen imstande sei;
dieses wird dadurch gesetzt, dafs verlangt wurde, ihn über die-
selben aufzuklären. Wir müssen nun eine Formel finden, in
welcher das eine wie das andere zu seinem Rechte kommt; welche