Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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79 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
von der die unserige nur ein schwacher Abglanz ist. Und in
dieser Eigenschaft bezeichnen wir sie als religiöse Phantasie. Die
Religion ist demnach geradezu, ebenso wie die spekulative Philo-
sophie, ein Produkt der menschlichen Phantasie, also auch blofs
eine der Erscheinungsformen des vielgestaltigen Lebens. Somit
kann sie ebensowenig wie die spekulative Philosophie dazu ver-
wendet werden, seinen Sinn zu deuten. Nur aus dem Leben selbst
kann diese Deutung entnommen werden; nur indem wir alle
seine Erscheinungsformen ins Auge fassen, können wir seinen Sinn
begreifen.
Da ist es nun zweierlei, was wir wahrnehmen, näm-
lich einmal dies, dafs die in unserer Welt wirksamen
Kräfte so ineinandergreifen, dafs das Leben als solches,
als blofses Leben erhalten bleibe, und zum anderen
dies, dafs jene Kräfte sich in einer Weise fortent-
wickeln, dafs das Leben zu immer höheren Erschei-
nungsformen aufsteigen kann. Am unbewufsten Leben
entzündet sich das bewufste; aus dem Naturleben entspriefst das
Kulturleben. Dieses ist die höchste Erscheinungsform des Lebens,
an deren beständiger Verfeinerung es unaufhaltsam arbeitet und
schafft. Die Kultur müssen wir, geleitet von der Er-
fahrung, als des Lebens schönste Blüte betrachten; wir
müssen geradezu ihre Schöpfung und ihre Veredelung
als den Zweck des Lebens ansehen. Warum das Leben
diesen Zweck verfolgt, das wissen wir nicht, ebensowenig wie
wir wissen, warum es überhaupt so etwas wie das Leben giebt,
warum überhaupt die Welt existiert. Die Beantwortung solcher
Fragen steht nicht in unserer Macht; diese Probleme liegen jenseits
aller Erfahrung. Wir können wohl, wie gesagt, mit Hilfe der
Phantasie in müfsigen Stunden ihre Beantwortung versuchen; aber
wir können nicht verlangen, dafs andere das Gebilde unserer Phan-
tasie als etwas hinnehmen sollen, das wohl begründet sei. Diese
Phantasie-Gebilde stellen gewissermafsen nur eine Randver-
zierung dar zum Texte des Lebens; sie sind wie ein schöner
Rahmen, in den das Bild des Lebens hineingespannt wird, um es
wirkungsvoller zu machen, um ihm einen Abschlufs zu geben.
Sofern man sie als dergleichen betrachtet, sind sie auch keines-
wegs ganz wertlos, ebensowenig wie die schöne Umrahmung
eines Gemäldes oder wie die Titelvignetten, Randzeichnungen und
Schlufs-Arabesken in einem Buch. Sie haben eben, kann man
direkt sagen, einen gewissen ästhetischen Wert. Einen höheren