Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 59
lange und so viel abgequält, ohne nur um einen Schritt weiter-
gekommen zu sein, dafs es wahrlich angebracht erscheint, von
weiterem derartigen nutzlosen Grübeln abzuraten.
Man verstehe mich jedoch nicht falsch und meine nicht etwa,
dafs ich mit dem allen gegen die Religion zu Felde ziehen will,
sondern ich wende mich nur gegen die mit dem Mantel der
Wissenschaftlichkeit drapierte Religion, gegen die spekulative Philo-
sophie, und zwar mit aller Energie. Was die Religion betrifft, so
ist noch Folgendes zu sagen. Dem freien Spiel der Phantasie will
ich nicht und kann ich natürlich gar nicht Halt gebieten und
Grenzen ziehen. Die Phantasie, auch die auf solche Probleme,
wie die berührten, gerichtete, ist ja auch eine der im Universum,
in der Sphäre des menschlichen Lebens waltenden Kräfte. Und
sie ist zudem eine Kraft, welcher wir aufserordentlich viel zu
verdanken haben, aufserordentlich hohe und schöne Genüsse.
Sie ist eine Kraft, welche sehr viel dazu beiträgt, das Leben zu
verschönern, seine Auffassung zu vertiefen. Sie ist auch eine
Kraft, welche bei der Erforschung der Wirklichkeit nicht entbehrt
werden kann. Nicht nur die Künstler, sondern auch die Männer
der Wissenschaft, auch die der exakten, können ihrer nicht ent-
raten. Schon Alexander von Humboldt suchte am Beispiele
des Columbus darzuthun, dafs sich die Phantasie in jeglicher
Gröfse menschlichen Handelns und Forschens ausspricht, und
Herb art sagt einmal sehr mit Recht: „Zum Selbstdenken in den
Wissenschaften gehört ebensoviel Phantasie wie zu poetischen
Erzeugnissen, und es ist zweifelhaft, ob Newton oder Shakespeare
mehr Phantasie besessen hat." Buckle hat dann herausgefunden,
dafs in der That Dante und Shakespeare eine erhabenere und
kühnere Phantasie besafsen als Newton, aber aufser diesen kein
anderer Dichter. Jedoch das nur nebenbei. Ich wollte nur
zeigen, dals die Phantasie dazu berufen ist, eine sehr grofse
Rolle zu spielen, indem es mit ihrer Hilfe gelingt, aus Elementen
der Erinnerung neue Gebilde zu schaffen, Elemente der Erinnerung
in einer Weise zu kombinieren, wie sie uns in der. Erfahrung
nicht gegeben sind, bezw. dadurch eine noch zu machende Er-
fahrung zu antizipieren, auf welchem Umstände eben die Be-
deutung der Phantasie für die Wissenschaft beruht. Aber die
Phantasie bleibt dabei nicht stehen, sie begnügt sich nicht damit,
Gebilde der Kunst zu produzieren und der Wissenschaft in die
Hände zu arbeiten: sie geht noch darüber hinaus, indem sie eine
andere Welt aufbaut, als die ist, in der wir leben, eine Welt,