Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 57
oberflächliches Allgemein - Bewufstsein davon. Denn um an den
Aufgaben des Lebens vollbewufst mitarbeiten zu können, dazu
gehört, dafs man diese Aufgaben nicht blofs vage, sondern
gründlich und genau kennt, und diese Kenntnis setzt einen nicht
unbedeutenden Grad von Intelligenz voraus. Ja, eine derartige
Kenntnis entwickelt sich überhaupt blofs ganz allmählich und
langsam in der Menschheit im Verlaufe langer Zeiträume heraus.
Wir müssen geradezu sagen, dafs sie jetzt erst im Aufdämmern be-
grifl'en ist. Wir haben ja jetzt erst eine Wissenschaft vom Leben
erhalten, eine Wissenschaft, die das Leben nach allen Richtungen
hin durchforscht, die seinem Ursprünge und seinem Zwecke nach-
spürt; die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den in allen seinen
mannigfaltigen Komplikationen verborgenen Sinn herauszufinden —
kurz, eine Wissenschaft, welche darauf ausgeht, das Leben zu er-
klären, es uns verständlich zu machen, die Wirklichkeit um uns
her als ein sinnvolles Gefüge erscheinen zu lassen. Freilich, dar-
über kann kein Zweifel herrschen, dafs man dergleichen überall,
dafs man das auch früher bereits, dafs man es immer schon ver-
sucht hat. Aber ebenso unzweifelhaft ist es, dafs man bei allen
diesen älteren Versuchen in der Irre gegangen ist, weil mau den
Sinn des Lebens nicht hat aus ihm selbst heraus verstehen wollen
und auch gar nicht können, sondern weil man künstlich aus einer
anderen Welt, einer abstrakt-idealen Gedankenwelt, einer Phantasie-
Welt, einen Sinn in dasselbe hineingetragen hat. Man ist bei der
Erklärung des Lebens bisher stets metaphysisch verfahren. Sein
Ursprung und sein Ziel sollten nicht von dieser Welt sein; es
sollte zumeist geradezu aufgefafst werden als ein Geschenk un-
sichtbarer Mächte, für das man eben diesen Mächten Rechenschaft
schuldig sei. Die Erklärung des Lebens und seiner vielfachen
Erscheinungsformen war bisher also eine phantastisch-spekulative.
An Stelle dieser Phantastik tritt nunmehr die nüchterne Beobachtung;
nicht aufserhalb des Lebens werden die Gesetze, die für
dasselbe giltig sind, die seinen Ursprung, seinen Ver-
lauf, seine Verwicklungen, seine Verfeinerungen, seinen
Zweck bedingen, sondern in ihm selbst gesucht. Dafs
dies früher nicht geschah und gar nicht geschehen konnte, dafs
wir erst gegenwärtig dazu imstande sind, das rührt daher, dafs es
früher wohl eine Naturbeschreibung, aber keine Natur-
wissenschaft gab, dafs wir eine solche erst in unserer Zeit be-
kommen haben. Die Lebens-Wissenschaft, die Lebenslehre, die
Biologie, ist ja ein Teil der Naturwissenschaft und zwar ihr vor-