Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 10. Die Dauer der Erziehungsthätigkeit. 55
die Möglichkeit der Erziehung nach erfolgtem Eintritte der Pubertät
und nach dem Ergreifen eines bestimmten Berufes, sobald der
Knabe oder das Mädchen den ersten Schritt zur Erlangung der
geschlechtlichen Vollreife gethan hat. Solche Klagen sind also
gar nicht zu beachten. Aber nötig ist dies, Verständnis für
Erziehungsfragen in die breiten Schichten des Volkes hinein-
zutragen, dafür zu sorgen, dals alle Menschen sich als Erzieher
fühlen lernen und imstande sind, zu erziehen, sobald die Not-
wendigkeit an sie herantritt, erzieherisch thätig sein zu müssen.
Sei das nun der einfache Handwerksmeister, der Lehrlinge an-
nimmt und ausbildet, sei es der Fabrikherr oder Werkmeister, der
Arbeiter und Arbeiterinnen braucht und einstellt, sei es endlich
die Hausfrau, welche sich Dienst- oder Kindermädchen hält.
Das Resumé aus alledem, was ich soeben ausgeführt habe, ist
also dies, dafs die Erziehung über den ganzen Zeitraum
vom Beginne des individuellen Lebens bis zur erlangten
geschlechtlichen Vollreife sich zu erstrecken habe, vor-
nehmlich deshalb, weil mit deren Eintritt auch die moralische
Reife verbunden ist und diese ein ferneres Zwangsverhältnis, wie
es die Erziehung naturgemäfs ist, aufheben mufs. Der Eintritt
der körperlichen, im besonderen geschlechtlichen und der moralischen
Reife bedingt eine derartige Steigerung des Selbstgefühls, dafs von
direkter Führung und Leitung, also von eigentlicher Erziehung
hinfort in der That keine Rede mehr sein kann.
Aber trotz alledem darf die Erziehung doch noch nicht als
absolut abgeschlossen angesehen werden; ein solcher end-
giltiger Abschlufs der Erziehung besteht überhaupt
nicht. Vielmehr ist zu sagen, dafs die Erziehung, wie sie mit
dem individuellen Leben beginnt, auch erst wieder mit demselben
zu Ende geht. Zunächst einmal handelt es sich ja darum, dals der
Mensch wie zur körperlich-geschlechtlichen und moralischen, so auch
zur intellektuellen Reife gelange. Ferner kommt es aber darauf
an, die erlangte Reife in jeder Beziehung nicht nur zu erhalten und
zu befestigen, sondern auch noch fort und fort zu vertiefen, besonders
auf geistigem, intellektuellem und moralischem, auch ästhetischem
Gebiete. Das ist nun freilich zum Teil des Menschen eigene An-
gelegenheit, nämlich Sache der Selbsterziehung jedes Einzelnen.
Der Einzelne mufs sich gleichsam zu sich selbst in ein
Zwangsverhältnis setzen, wie er früher zu einem
anderen, dem Erzieher, in einem solchen gestanden hat.
So muls er eben auf dem Wege der Selbsterziehung zuvörderst