Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 10. Die Dauer der Erziehungsthätigkeit. 53
vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Wie steht es nun
mit dem Eintritte der geistigen Reife? fäUt dieser Zeitpunkt viel-
leicht mit dem der körperlichen zusammen? Wenn das der Fall
ist, so sind wir über den Berg hinaus.
Wenden wir uns zur Betrachtung der geistigen Entwickelung
des Menschen, so haben wir dabei wieder zweierlei auseinander-
zuhalten, die intellektuelle und die gemütliche Entwickelung. Die
Erfahrung lehrt nun, dafs jene langsamer von statten geht als
diese; dafs die moralische Reife eher eintritt als die intellektuelle,
natürlich wie stets der Durchschnitt genommen. Ausnahmen, in-
folge irgendwelcher besonderen Umstände, bedingt durch äufsere Ver-
hältnisse oder die spezifische Beanlagung, deren von der der Durch-
schnittsmenschen abweichende Beschaffenheit, kommen vor, können
und brauchen aber keine Berücksichtigung zu erfahren. Die Frage
erhebt sich, wonach sich die Bestimmung des Endpunktes der
Erziehung zu richten habe, nach der moralischen oder der intellek-
tuellen Reife. Nun ist offenbar, dafs mit der Erreichung der
moralischen Reife jeglicher Zwang aufhören mufs; der Mensch ist
jetzt dazu befähigt, selbst zu bestimmen, was er rücksichtlich seiner
eigenen Entwickelung, des gesellschaftlichen Wohles und bezüglich
der etwa sonst noch seiner harrenden Aufgaben zu thun und zu lassen
hat. Aus freiem Entschlüsse sucht er z. B. jetzt die Belehrungen,
welche ihn auch der intellektuellen Reife entgegenzuführen imstande
sind. Wir werden also sagen können, ja sagen müssen, dafs der
Zeitpunkt der eingetretenen moralischen Reife das Ende der Er-
ziehung bezeichnet. Und gestützt auf die Erfahrung kann man
nun noch einen Schritt weiter gehen und sagen: der Eintritt
der moralischen Reife fällt in der Mehrzahl der Fälle
zusammen mit dem der Geschlechtsreife. Wir sind somit
in der günstigen Lage, bei der Festsetzung der Dauer der Er-
ziehungsthätigkeit nicht nur die körperliche oder nur die geistige
Entwickelung des Zöglings, sondern vielmehr beide, die letztere
wenigstens teilweise, berücksichtigen zu können.
Aber ganz sind wir damit doch noch nicht über die Schwierig-
keiten hinaus. Es gilt noch, zwei Einwürfe zu beseitigen, als
nicht wichtig genug zu kennzeichnen, zwei Einwürfe, die stark
genug gewesen sind, um Döring zu veranlassen, in seinem
„System der Pädagogik im Umrifs" den Endtermin der
Erziehung weit früher anzusetzen, als ich das gethan habe. Man
sagt nämlich, mit dem Eintritte der Pubertät, die den ersten Schritt
zur Erlangung der geschlechtlichen Vollreife bezeichnet, gingen