Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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52 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
Geschlechts in südlichen Ländern sich rascher entwickeln und eher
zur sexuellen Vollreife gelangen als diejenigen in nördlichen
Gegenden. Kurz und gut, es ist jedenfalls unmöglich, den Zeit-
punkt des Reife-Eintrittes allgemeinhin zu bestimmen. Aber das
ist auch gar nicht nötig. Es ist ein gröfser Fehler sovieler
pädagogischen Theoretiker, dafs sie immer daraufhin streben, ganz
allgemeingiltige Regeln und Gesetze und Grenzbestimmungen auf-
finden zu wollen; sie bewegen sich daher immer nur in den all-
gemeinsten Formeln, mit denen man ohne weiteres nichts anzu-
fangen weifs, und die immer noch erst der besonderen Auslegung
nach Mafsgabe der jeweilig vorliegenden Verhältnisse bedürfen.
Gewifs könnte ich auch sagen: soll überhaupt der äufserste
Grenzpfahl der Erziehung von dem Eintritte der Geschlechtsreife
abhängig gemacht werden, so hat sie eben solange zu dauern,
bis dieser Zeitpunkt gekommen ist. Ich will jedoch nicht eine
derartige Weltpädagogik vertreten, sondern begnüge mich damit,
eine Erziehungslehre aufzustellen, welche für unsere Verhältnisse
pafst. Darum kann ich von der Berücksichtigung klimatischer
und sonstiger geographischer Einflüsse auf die natürliche Ent-
wickelung des Menschen absehen. Freilich bleiben noch die
anderen Unterschiede bestehen; aber es ist über denselben doch
das nicht zu übersehen, dals auch gemeinsame Momente existieren;
dafs zwar, bedingt durch diese und jene Umstände, die einen
früher, die anderen später die geschlechtliche Vollreife erlangen,
jedoch im grofsen und ganzen der Zeitpunkt sich ziemlich be-
stimmt angeben läfst, da dies bei der überwiegenden Mehrzahl
der Menschen geschieht. Dieser Zeitpunkt fallt bei Knaben in
das 21., bei Mädchen in das 20. Lebensjahr. Jene Zahl kennt
man durch die Untersuchung der Rekruten, diese beruht auf un-
gefährer Schätzung. Man könnte demgemäfs also sagen: die Er-
ziehung sei etwa mit dem Alter von 20 Jahren für beide Ge-
schlechter als abgeschlossen zu betrachten. Denn ein Mensch,
der sich sagen könne, dafs er zur Zeugung lebenskräftiger Nach-
kommen fähig sei, der somit selbst in die Lage kommen könne,
Kinder erziehen zu müssen, werde von Erziehung seiner selbst
sicher nichts mehr wissen wollen. Gewifs ein Argument, das sich
hören lassen kann. Aber ausreichend erscheint es mir doch noch
nicht; denn dasselbe nimmt blofs auf die körperliche, nicht auch
auf die geistige Entwickelung Rücksicht. Und die Erziehung
darf doch keineswegs eher als beendet angesehen werden, bis
nicht auch diese Reife erzielt ist, mag sie dabei mit noch so