Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 10. Die Dauer der Erziehungsthätigkeit. 51
Stimmung des Anfangspunktes der Erziehung fällt, auf so grosse
Schwierigkeiten stöfst man, wenn man das Ende derselben zu
fixieren sich anschickt. Aus dem über den Begriff der Erziehung
Gesagten ergiebt sich bezüglich der Festsetzung des Endpunktes
der Erziehung dies. Die Erziehung, welche aus unreifen reife
Menschen machen soll, mufs dann als beendet angesehen werden,
sobald dieses Resultat zu verzeichnen ist; sobald der Mensch als
reif gelten kann. Mit dieser rein formalen Bestimmung ist jedoch,
wie leicht ersichtlich, noch herzlich wenig geholfen. Denn es
erhebt sich die Frage, wann dies der Fall sei, und mit dieser
Frage eben beginnen die Schwierigkeiten. Was zunächst die
körperliche Reife anlangt, so läfst sich allerdings sagen, dafs die-
selbe erreicht ist mit dem Eintritte der geschlechtlichen Vollreife,
d. h. sobald der Mensch zur Zeugung lebensfähiger und auch ge-
sunder Nachkommen imstande ist. Aber der Eintritt dieses Zeit-
punktes läfst sich nicht allgemeinhin bestimmen; es ergeben sich
Verschiedenheiten durch die geschlechtliche Differenzierung, durch
mannigfaltige individuelle Unterschiede und endlich durch äufsere
Verhältnisse. Was das erste Moment betrifft, so ist bekannt,
dafs bei Mädchen die Geschlechtsvollreife eher eintritt als bei
Knaben. Bezüglich des zweiten Punktes ist eben nur kurz dar-
auf hinzuweisen, dafs unter Mädchen sowohl als auch unter
Knaben manche eher, manche später als der Durchschnitt die
Reife erlangen. Dasselbe ist aber nicht nur infolge individueller
Variation der Fall, sondern, was ich zuletzt anführte, auch infolge
äufserer Verhältnisse, z. B. der materiellen Lage und der zu ihr
in innigster Beziehung stehenden Ernährung und Hygiene. So
hat Pagliani für Italien den Nachweis erbracht, dafs die Ge-
schlechtsentwickelung schlecht genährter Kinder langsamer ver-
läuft, länger andauert, als die gutgenährter. Zu einem anderen
Resultate ist Axel Key in Schweden gekommen, nämlich dafs
die Pubertät bei den ärmeren Klassen später beginnt, dann aber
sehr schnell verläuft, so dafs sie zur selben Zeit wie bei den
wohlhabenden Klassen zu Ende ist. Wie dem aber auch sein
möge, sicherlich beeinflussen äufsere Faktoren die Geschlechtsent-
wickelung sehr stark, bald im Sinne einer Verlangsamung oder
Beschleunigung, bald durch Verschiebung des Anfangspunktes der-
selben. Ferner sind hierbei auch die Einflüsse zu berücksichtigen,
welche das Klima und sonstige geographische Erscheinungen,
z. B. die Höhenlage, auf die Reifeentwickelung des Menschen
ausüben. Allbekannt ist die Thatsache, dafs die Menschen beiderlei