Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 9. Notwendigkeit der Erziehung. 49
Geschichtsstunde, im Moral- oder Religionsunterrichte die Rede
von dem sittlichen oder unsittlichen Thun irgendwelcher Personen
ist, so sind die hervorgerufenen Vorstellungen gewiss von Ge-
fühlen der Sympathie oder der Antipathie begleitet; aber diese
Wirkung wird durch die Anforderungen, die der Unterricht an
den Intellekt, namentlich an das Gedächtnis der Kinder stellt
und stellen mufs — denn damit hat er es doch in erster Linie ganz
unzweifelhaft zu thun —, stark abgeschwächt, so dafs sie eben
eine blofse Nebenwirkung sein kann. Ferner ist zu beachten,
dals das Fühlen allein gar nicht für das moralische Handeln aus-
schlaggebend ist; aufser dem Fühlen und in gewissen Beziehungen
und Grenzen dem Vorstellen kommt auch noch das Triebleben
des Menschen dabei in Betracht. Aus dem Trieb-, Gefühls- und
Vorstellungsleben im Verein resultiert erst der zum Handeln
fähige Wille. Das Triebleben aber entzieht sich jeder direkten
Beeinflussung seitens der Belehrung, wie wir noch im Verlaufe
dieser Arbeit deutlich genug sehen werden. Endlich bedenke man,
dafs der Unterricht, in dem von einer Beeinflussung des Fühlens
in Richtung auf das Sittliche berechtigterweise die Rede sein
kann, im Rahmen des Gesamtunterrichtes, nun gar der Gesamt-
erziehung und gegenüber dem Milieu nur eine sehr bescheidene
Rolle spielt und nach der Lage der Dinge spielen kann. — Aufser
dem Unterrichte aber bietet freilich dem Schulerzieher, dem Lehrer
das Schulleben auch noch manche andere Gelegenheiten dar, um
auf das Gemüt der Kinder zu wirken. Und diese soll er selbst-
verständlich nicht ungenützt vorübergehen lassen. Er soll die
Zucht handhaben so gut wie den Unterricht; er soll auch für
seinen Teil an der Gemütsbildung der Zöglinge unmittelbar
mitarbeiten. Nur darf er sich nicht verhehlen, dafs auch hierbei
sein Einfluss ein sehr beschränkter ist; sind die Kinder doch nur
für wenige Stunden täglich seiner Obhut anvertraut. Und aufser-
dem kann er bei der ganzen grofsen Schar, die er zu leiten hat,
nicht jedem Einzelnen sich so widmen, wie es nötig ist, wenn
die Zucht, die direkte Einwirkung auf das Gemüt thatsächlich er-
folgreich sein soll.
Zum anderen nun aber spricht für die Notwendig-
keit der Erziehung noch der Umstand, dafs durch die-
selbe, wenn sie richtig geleitet und wohldurchdacht ist,
die Entwickelung des Zöglings beschleunigt wird. Und
das ist von grofser Wichtigkeit; denn die fort und fort neu ent-
stehenden Aufgaben des Lebens, besonders des Kulturlebens, erfordern
Bergemauu, Soziale Pädagogik. 4