Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 9. Notwendigkeit der Erziehung. 47
sind auch in geistiger Hinsicht nur sehr mäfsig oder schwach be-
gabte Kinder dennoch zu tüchtigen und brauchbaren Gliedern der
Gesellschaft zu erziehen. Dabei ist vornehmlich darauf zu achten,
dafs man die ersten sechs bis sieben Lebensjahre ihrer physio-
logischen Bestimmung gemäfs auch wirklich zur allgemeinen Kräfti-
gung des Körpers verwendet und jegliche streng methodische
Schulung des Geistes unterläfst. Das gilt übrigens nicht blofs
für solche Kinder wie angegeben, sondern mehr oder weniger für
alle, für jene aber in ganz besonderem Mafse. Für die allgemeine Be-
achtung dieser Vorschrift sprechen die Beobachtungen, wie sie West,
Hasse, Pelman u. a. gemacht haben, welche sehr oft wahr-
nahmen, dafs Kinder, die man in frühester Kindheit zu fleifsigem
und anstrengendem Lernen zwang, später sehr reizbar und jäh-
zornig wurden. Nicht selten trat diese Reizbarkeit paroxysmen-
artig auf und bot bisweilen das Bild der echten Manie dar.
Ferner ist darauf zu sehen, dafs schwächliche Kinder im be-
sonderen, aber auch die anderen, während der Schulzeit nicht
übermäfsig geistig angestrengt werden. Die genannten Beobachter
haben als Folgen solcher übermäfsigen Anstrengung Zwangs-
vorstellungen und Gehörshalluzinationen festgestellt. So vermag
also die Erziehung durch Anwendung richtiger körperlicher und
geistiger Diät gute Anlagen nicht nur zu entsprechender Ent-
faltung zu bringen, sondern auch weniger guten eine Entwicke-
lung in der Richtung auf das Bessere und Höhere zu sichern.
Was nun das andere betrifft, so ist die Erziehung in ihrer
Eigenschaft als Ergänzung doch recht wichtig. Man denke doch,
wie beschaffen das Milieu häufig ist, in welchem das Kind heran-
wächst. Da hat der Erzieher oft alle Hände voll zu thun, um
nur einigermafsen die von demselben ausgehenden Einflüsse un-
schädlich zu machen oder sie einzuschränken oder auch sie ange-
messen zu erweitern. Das gilt sowohl mit Bezug auf das Natur-
ais auch auf das Menschen-Milieu. Was jenes betrifft, so macht
das ja noch die mindesten Sorgen und Schwierigkeiten. Durch
Wort und Bild kann der Erzieher da regulierend eingreifen.
Auch bezüglich des anderen hat er noch verhältnismäfsig leichtes
Spiel, sofern es blofs auf Einschränkung oder Erweiterung der
bezüglichen Einflüsse ankommt. Weit schwieriger gestaltet sich
seine Aufgabe hingegen, wenn es gilt, Einflüsse unschädlich zu
machen. Sehr oft bleibt hier nichts anderes übrig, als den Zög-
ling in ein ganz anderes als das bisherige Milieu zu verpflanzen. Alle
diese Schwierigkeiten bestehen selbstverständlich für die natür-