Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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46 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
eine gewisse pädagogische Richtung grolsgezogenen Erzieher-Hoch-
mute, der Ansicht, dafs der Erzieher eigentlich bei gutem Willen
und tüchtiger Leistung alles vermöge; dafs er aus jedem Zögling
beinahe einen Merkurius zu machen imstande sei, mufs mit aller
nur möglichen Energie entgegengetreten werden auf Grund der
Thatsachen der Erfahrung.
Notwendigkeit der Erziehung.
§ 9»
Wenn Erziehung blols in so bescheidenen Grenzen möglich
ist, wie ich dies angegeben habe, so dürfte mancher meinen, dafs
sie dann doch ganz wegbleiben könne; dafs sie nicht unbedingt
notwendig sei. Ein solcher Mensch würde etwa sagen: die natür-
lichen Anlagen des Kindes entwickeln sich allein, soweit das eben
möglich ist, unter dem Einflüsse des Milieus fort; höchstens
brauchen die Erzieher ihm einige Kenntnisse, die dem Menschen
nicht ganz von selbst zufliegen können, zu übermitteln. Dem
muls ich doch mit aller Entschiedenheit widersprechen, aus
zweierlei Gründen. Gewifs kann die Erziehung nur als Ergänzung
zu den Einwirkungen des Mediums auf die Entwickelung der
natürlichen Anlagen des Kindes hinzukommen. Und gewifs findet
sie an eben diesen Anlagen eine unübersteigliche Schranke ihrer
Wirksamkeit. Aber bezüglich des letzten Punktes ist zu sagen,
dafs ihr innerhalb der Grenzen der spezifischen Beanlagung immer
noch ein ganz weiter Spielraum bleibt, wie wir dies früher ja
schon gesehen haben. Hier wül ich nur auf einige besondere
Punkte hinweisen. Um erbliche oder sonstige Anlagen, an-
geborene Dispositionen, welche wir entweder blols vermuten können,
oder die im körperlichen und geistigen Habitus des Kindes ihren
Ausdruck finden, abzuschwächen und unter Umständen zu eliminieren
oder doch im Zustande der Latenz zu belassen, müssen wir die
entsprechenden Entfaltungsreize zu vermeiden suchen. So können
diejenigen Schädlichkeiten, unter denen sich bei den Eltern z. B.
eine Krankheit entwickelte, die auch bei dem Kinde zu vermuten
oder wirklich angelegt ist, durch einen Ortswechsel vermieden
werden. Ist ein solcher nicht angänglich, so kann der Ausbruch
der Krankheit bei dem Kinde doch durch eine rationelle körper-
liche wie geistige Diät verhindert werden. Mit Hilfe einer solchen