Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
flüsseu des in der sozialen Gruppe, der er durch seine Eltern an-
gehört, objektivierten Geistes, des in ihr allgemein verbreiteten
Wissens ausgesetzt. Aber jene Diskrepanz zwischen höherer und
besserer Erkenntnis und dahinter zurückbleibender ethischer Hand-
lungsweise hat freilich noch einen anderen Grund, von dem späterhin
die Rede sein wird. Hier deute ich denselben blofs kurz an: er besteht
in dem Mangel ausreichender Trieb-Beeinflussung, der eine Zwie-
spältigkeit zwischen Einsicht und Handlungsweise auch dann bedingt,
wenn eine solche des Wissens und Erkennens nicht vorhanden ist.
All das mufs nun der Erzieher sehr genau beachten, bezw.
kennen lernen und studieren, um zu wissen, wo er bei seiner
Thätigkeit den Hebel in erster Linie anzusetzen hat; wo er
fördernd, wo er hemmend einwirken soll. All das macht sein
Geschäft zu einem aufserordentlich komplizierten, trägt aufser der
spezifischen Beanlagung noch mit dazu bei, ihm die Hände zu
binden. All das mufs ihn veranlassen, sich als Meister in der
Beschränkung zu zeigen, allzu kühne Wünsche und Hoffnungen zu
zügeln. In der That: die natürlichen Anlagen des Zöglings und
der Einflufs des Milieus auf deren Entwickelung im Verein be-
wirken eine grofse Einschränkung der Möglichkeit der Erziehung.
Diese beiden Umstände ermahnen den Erzieher, dafs er sich daran
gewöhne, als eine seiner vorzüglichsten Tugenden die Be-
scheidenheit zu betrachten. Das stolze Wort Rückerts:
„Die Zukunft habet ihr, ihr habt das Vaterland,
Ihr habt der Jugend Herz, Erzieher, in der Hand!" —
so schön es klingt und so erfreulich es wäre, wenn es zu Recht
bestände, ist eben im grofsen und ganzen nichts weiter als eine
poetische Licenz, die man wohl bei einem begeisterten Dichter,
einem patriotischen Barden sich gefallen läfst; die aber, auf das
praktische Leben angewendet, demjenigen, der das thut, der mit
solchen grofsen Hoffnungen an seine Aufgabe herantritt, Ent-
täuschung auf Enttäuschung bereitet. Und da aus der Ent-
täuschung zumeist Mutlosigkeit erwächst, indem sie das Um-
schlagen der vorherigen hoch gespannten Erwartung in das
gerade Gegenteil zur Folge zu haben pflegt, ist es wohl an-
gebracht, namentlich die berufsmäfsigen Erzieher davor zu warnen,
wohlklingenden und vielverheifsenden, aber mit der Wirklichkeit
in Widerspruch stehenden Dichterworten zu grofsen Glauben bei-
zumessen oder gar ihnen blindlings zu trauen. Da ist es wohl
angebracht, eindringlich auf die Grenzen hinzuweisen, welche der
Erziehung von der Natur gezogen sind. Dem namentlich durch