Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
44 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
ganzen. Auch sind nicht zu unterschätzen die materielle Lage
und der Stand der Eltern und der dadurch bedingte Verkehr.
All das beeinflulst das Kind in der mannigfachsten Weise, bezüg-
lich seines Vorstellens sowohl als auch seines Geschmackes und
seines Charakters. So ist der Geschmack eines Kindes, das unter
Menschen aufwächst, welche auf ästhetische Lebensführung halten,
und sich bemühen, dem Kinde nur Schönes vor die Sinne zu
führen, äufserst günstig verschieden von dem eines Kindes, das
nur selten Schönes zu sehen und zu hören bekommt. In Maler-
und Musiker-Familien eignen sich die im übrigen gar nicht spezifisch
zu Malerei oder Musik talentierten Kinder leicht ein mehr oder
weniger feines künstlerisches Verständnis an, das den Kindern in
anderen Familien abgeht. Wie bei den Kindern des Geldadels leicht
Protzentum und Hochmut, so entwickeln sich bei denen des
Proletariats sehr oft Neid und Begehrlichkeit oder auch Demut
und Unterwürfigkeit. Rohen Dienstboten überlassene oder mit
verderbten Kameraden verkehrende Kinder werden auch roh und
verderbt. Das Vorstellungsleben von Kindern, deren Umgebung
nur geringe intellektuelle Bedürfnisse hat, bleibt unentwickelt, wie
das von Kindern, die in einem geistig regen Milieu aufwachsen,
schon früh ein hoch entwickeltes ist: solche Kinder neigen, nament-
lich wenn sie sehr viel in der Gesellschaft Erwachsener sind, zu
Frühreife und Altklugheit. — Diese Ei ndrücke des Milieus,
in welchem die Kinder aufwachsen, sind gewöhnlich
aufserordentlich nachhaltig; sie reichen weit über ihre
wirkliche Dauer hinaus und in das spätere Leben des
Menschen hinein. In den seltensten Fällen können sie
vollständig eliminiert und ganz unwirksam gemacht
werden. Auf diesem Umstände beruht auch mit zum Teil die auf-
fallende Diskrepanz, die zwischen der theoretischen Überzeugung und
der ethischen Handlungsweise so vieler Menschen und zwar zumeist
im Sinne eines Zurückbleibens dieser hinter jener herrscht. Das
Wissen kann auf die Charakterbildung überhaupt einen nur geringen
Einflufs ausüben; aber es übt doch einen solchen aus. Dieser
Einflufs geht von den Wissensinhalten der sozialen Gruppe aus, in
welcher der Mensch heranwächst. Ist nun die Zeit gekommen,
wo der Einzelne sich ein wirklich individuelles und günstigen
Falles über seine Umgebung durch differenziertere Qualitäten
hinausgehendes Wissen zu erwerben vermag, da ist sein Charakter
und ist die Richtung seiner Sittlichkeit bereits abgeschlossen.
Während der Bildungs-Periode seiner Sittlichkeit ist er den Ein-