Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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608 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
alle Winkel mufs hineingeleuchtet werden; nichts und niemand
ist zu schonen: gegenüber der moralischen Kritik sind
alle gleich, kann keine Einrichtung auf irgendwelche
Ausnahmestellung Anspruch erheben. Die Moralisten stehen
auch über den religiösen Menschen, die ethischen Gesellschaften
über den religiösen Gemeinschaften. Dieselben sind berechtigt nur
insoweit, als die von ihnen vertretene und gelehrte Moral den An-
forderungen ethischer Kultur, echt humanen sittlichen Geistes ent-
spricht. Ist das nicht der Fall, so sind sie aufs schärfste
zu bekämpfen.
Der Staat, der nach unseren heutigen Begriffen, denen zufolge
das „cujus regio ejus religio" nicht mehr gilt, nicht mehr Glaubens-
gemeinschaft zu sein bestimmt ist; dessen Eingreifen in das Gebiet
des Glaubens wir als ungerechtfertigte Tyrannei, als unerträglichen
Gewissenszwang aufs energischste abweisen; von dem wir ver-
langen, dafs er jeden nach seiner Façon selig werden lasse, hat
nur dafür zu sorgen, dafs die religiösen Gemeinschaften und
ethischen Gesellschaften sich frei und unbehindert entwickeln
können und, was eigentlich nur bezüglich jener gilt, den öffent-
lichen Frieden nicht gefährden und die öffentliche Ruhe nicht
stören. Soweit ihm noch darüber hinausgehende Befugnisse zu-
stehen, handelt es sich nur um solche, die in der Jugenderziehung
zur Anwendung kommen. Davon ist früher bereits die Rede ge-
wesen; in dieser Hinsicht hat ja der Staat es sich angelegen sein
zu lassen, dafs der religiöse Glaube stets mit der empirischen
Welterkenntnis in Einklang stehe, weil ein hier vorhandener Zwie-
spalt, der den Menschen beständig in einer skeptischen Schwebe
hält und somit die Ruhe des Gemütes beeinträchtigt, das gesamte
Wohlbefinden sehr wesentlich in ungünstigem Sinne beeinflussen
würde. Nimmt man dies zu dem vorher Gesagten hinzu, so
ergiebt sich als Aufgabe des Staates mit Bezug auf die ethisch-
religiöse Volkserziehung, dafs er ein Hüter der Freiheit, Auf-
klärung, Toleranz und des Friedens sein mufs.