Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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'§ 65. Ethisch-religiöse Volkserziehung. Ethische Kultur. 626
in diesem Universum demnach abhängig von einem Wesen, in
Beziehung auf ein Wesen stehend! Das ganze Universum nur
Mittel zum Zwecke der Wesensentfaltung, der Seins-Erhöhung
eines Einzigen! Der Mensch, seiner unsterblichen Seele nach
schöpferähnlich, nimmt da dem Universum gegenüber eine analoge
Stellung ein wie der Schöpfer selbst; es ist für ihn auch nur
Mittel zum Zweck, nämlich der Läuterung und schliefslichen Selig-
keit. Der transzendente Monotheismus geht 'daher stets
Hand in Hand mit dem Individualismus. Die Religion des
noch universalistischen Altertums ist der Polytheismus. Die
Religion der wieder universalistischen Neuzeit kann dieser natür-
lich nicht mehr sein; an seine Stelle tritt der durch den Mono-
theismus verfeinerte und vergeistigte, als Synthese von Mono-
theismus und Polytheismus zu betrachtende immanente Pan-
theismus oder besser Panmonismus.
Neben die religiösen Gemeinschaften treten somit als gleich
berechtigt die ethischen Gesellschaften, deren Aufgabe die
Pflege der sittlichen Volksbildung ist. Um diesen Zweck zu er-
reichen, kommt es vornehmlich darauf an, alle Geschehnisse und
Vorgänge des öfientlichen Lebens in human-ethische Beleuchtung
zu rücken und vom human-ethischen Standpunkte aus zu beur-
teilen, also beständig die Gewissen wach und rege zu erhalten
und zu schärfen. Aber auch an dem alltäglichen Leben, an all
den kleinen Ereignissen und Vorfällen in Familie und Beruf
darf man nicht achtlos vorübergehen; sie bieten ebenfalls eine
Fülle von der Besprechung und litterarischen Behandlung würdigen
Gegenständen dar. Natürlich müssen auch prinzipielle Fragen er-
örtert werden; sei es nun, dafs man dabei an ein Buch anknüpft,
das solche Probleme behandelt, sei es, dafs eigene Gedanken eines
Redners den Ausgangspunkt einer allgemeinen Aussprache bilden.
Aufserdem mufs für die Verbreitung guter, aber billiger und volks-
tümlicher Bücher moralphilosophischen Inhalts, von Flugblättern
und Berichten gesorgt werden, welche einen Einblick in das innere
Leben und Treiben, in das Bemühen und Streben der verschiedenen
einzelnen Gesellschaften gewähren. Und endlich ist von grofsem
Nutzen ein regelmäfsig erscheinendes Organ, wie es ja z. B. die
„Ethische Kultur" ist. Jedenfalls gilt es, unablässig die Gewissen
aufzurütteln und darauf hinzuweisen, was zu thun ist, wo etwas
fehlt oder nicht in Ordnung ist in Gemeinde, Staat und Gesell-
schaft, im Berufs- und Familienleben, auf rechtlichem und wirt-
schaftlichem Gebiete. Nichts darf für zu gering geachtet, in