Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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606 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
halten, jedoch scheint mir, dafs wir dieser Dinge gut und
gern entraten können. Besonders ist der Begriff der Vergebung
ein solcher, an dem jeder moderne Mensch geradezu Anstofs
nehmen mufs: keine That kann vergeben werden, die einmal ge-
than ist; das ist einfach widersinnig. Auch bedeutet dieser fromme
Glaube nicht, wie Lühr meint, eine Förderung der sittlichen Kraft,
sondern vielmehr blofs ein bequemes und sanftes Ruhekissen
für schwache Gemüter. Die Thatsache, dafs eine einmal ge-
schehene That nie mehr ungeschehen zu machen ist; dafs sie ge-
wisse Folgen nach sich zieht; dafs der Thäter für sie einstehen
mufs; dafs Vergebung ebenso widersinnig in der menschlichen wie
in der aufsermenschlichen Sphäre ist, weil eben die Folgen einer
That durch keine Macht des Himmels oder der Erde beseitigt
werden können, gerade das Wissen um diese Thatsache ist
ein kräftiges Agens des moralischen Handelns: es veran-
lafst den Menschen sich vorzusehen und gegebenen Falls seine
Unvorsichtigkeit durch anderes Thun nach Kräften wieder gut zu
machen. Damit bin ich schon zu einem andern Punkte, der hier
berührt werden mufs, gekommen. Anderseits nämlich sprechen
gegen eine allzu enge Verschlingung von Religion und
Moral überhaupt mancherlei Bedenken, sofern man z. B.
auch an der Persönlichkeit Gottes und einem individuellen Fort-
leben nach dem Tode festhält: die Moralvorschriften erscheinen
dann als heteronome; das Thun des Guten erscheint dann als
durch das Seligkeitsinteresse motiviert. Das bedeutet aber eine
Verfälschung der Moral, jedenfalls ein Zurückbleiben auf einer
früheren Entwickelungsstufe; die dem modernen sittlichen Bewufst-
sein entsprechende Moral kann keine heteronome, sondern mufs
eine autonome sein. Dieser Punkt ist auch bei der Inbeziehung-
setzung des Sittlichen zum Religiösen künftighin und somit eben-
falls bei der Weiterentwickelung der Religion zu berücksichtigen;
die Religion der Zukunft kann nicht mehr auf dem
Prinzipe der Transz endenz fufsen, sondern nur noch auf
dem der Immanenz: blofs mit dieser ist ethische Autonomie
vereinbar, jene führt nicht über die Heteronomie hinaus. Auch
noch aus einem anderen Grunde ist übrigens das Prinzip der
Immanenz das einzig annehmbare für die Religion der Zukunft.
Dieselbe kann der universalistischen Tendenz der modernen Welt-
aufifassung entsprechend nicht der transzendente Monotheismus
sein, sondern mufs zum immanenten Panmonismus werden.
Man denke doch: das Universum das Werk eines Schöpfers; alles