Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
wollen nichts wissen von der Arbeiterbewegung, soweit sie
sich von ihnen emanzipiert hat, von der Frauenbewegung,
die sie niederdonnern möchten mit den abgenutzten und ver-
brauchten Gemeinplätzen der alttestamentlichen Schriften und durch
den Hinweis auf Mythen und Legenden, von der Friedens-
bewegung: scheuen sich doch die Diener der verschiedenen
Kirchen der Liebe und des Friedens nicht, in ihren Tempeln für
die Vernichtung anderer Menschen zu Gott zu flehen. Wahrlich
den Kirchen gegenüber giebt es nur ein „ceterum censeo"
für mich, nämlich dieses: „ecclesiarum potestatem esse
delendam"!
Auf der andern Seite bietet eine Fülle kleiner religiöser
Gemeinschaften alle nur möglichen Vorteile. Solche sind nicht
imstande, sich gegenseitig fortwährend zu bekämpfen; ihre Lehrer
oder Prediger müfsten sich, da sie sich ja auf allen Seiten mehr von
Feinden als von Freunden umringt sähen, der gröfsten Redlichkeit
und jener Mäfsigung befleifsigen, welche man so selten unter den
Dienern der grofsen Kirchen flndet. Kleine religiöse Gemeinschaften
könnten auch dem Staate, der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht
mehr gefahrlich werden. Ferner wäre es in ihnen möglich, den Kultus
so zu gestalten, dafs er dem Gefühle aller Mitglieder angemessen
wäre, und desgleichen die religiösen Vorstellungen so zu formulieren,
wie es dem Denken jedes Einzelnen entspräche. Da bei reifen,
denkenden Menschen die individuellen Verschiedenheiten nirgends
schroffer hervortreten als da, wo es sich um die religiösen Gefühle
und Vorstellungen und die ihnen adäquaten symbolischen Formen
handelt, läfst sich eine Einigung in dieser Beziehung nur auf dem
Wege des unmittelbaren Meinungsaustausches bewerkstelligen,
und ein solcher ist nur möglich in einem kleinen Kreise. Zu-
dem ist zu bedenken, dafs auf diese Weise die Lehrer der ver-
schiedenen religiösen Gemeinschaften, da sie fast allein ständen,
genötigt sein würden, einander zu respektieren und Konzessionen
zu machen, schon im eigenen Interesse, was mit der Zeit zu einer
reinen und vernünftigen, von jeder Beimischung von Betrug, Fana-
tismus, Aber- und Wunderglauben freien allgemeinen Religion
führen könnte. Die ethisch-religiöse Volkserziehung ist
Sache dieser Gemeinschaften.
Ganz sicherlich genügen solche aber nicht, um den Bedürf-
nissen aller gerecht zu werden. Ich habe schon darauf hinge-
wiesen, dafs es viele Menschen giebt, deren Zahl obendrein noch
in beständigem Wachsen begriffen ist, welche entweder gar kein