Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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'§ 65. Ethisch-religiöse Volkserziehung. Ethische Kultur. 603
ersticken jegliche freie Regung im Keime, bedingen eben Starr-
heit, Konservatismus und sterilen Formalismus: aller Fortschritt,
alle Weiterentwickelung auf ethisch-religiösem Gebiete ist un-
möglich. Zudem bilden sie, indem sie mit einer gewissen Zwangs-
gewalt ausgerüstet sein müssen, um alle die vielen, individuell so
verschiedenen Elemente zusammenhalten zu können, gleichsam
Staaten im Staate; ihre Machtbefugnisse verführen sie zu Über-
schreitungen der ihrer Wirksamkeit gezogenen Grenzen und er-
zeugen in ihren Dienern das Laster der Herrschsucht. Die Folge
davon ist nicht nur die, dafs sie sich gegenseitig befehden und
so beständig die öffentliche Ruhe stören; sondern dafs sie auch
auf die Regierung Einflufs zu gewinnen versuchen und sich in
die politischen Angelegenheiten einmischen, um ihre Machtsphären
zu vergröfsern. Indem sie so die religiösen mit politischen
Interessen verquicken, führen die Kirchen eine Spaltung des
Volkes in ein paar grofse Parteien herbei und gefährden den Be-
stand des Staates: ich erinnere nur an die Vorgänge der letzten
Jahre in Frankreich, an die Verhältnisse in Belgien und in
Osterreich. Überall sind es die Kirchen, welche die
staatliche Ordnung unterwühlen. Man mufs es rund heraus-
sagen, dafs sie überhaupt nur zu oft den Frieden und die Wohl-
fahrt der Völker bedroht haben, solange sie existieren, und dafs sie
vorwiegend in bildungsfeindlichem, verdummendem und
verrohendem Sinne gewirkt haben. Gewifs haben sie auch, so
die katholische Kirche im Mittelalter, manches Gute den Nationen
gebracht; aber ohne Zweifel hat das Böse überwogen. Die kirch-
liche Intoleranz, welche mit Scheiterhaufen gegen Andersgläubige
gewütet, welche die Fackel blutiger Kriege entzündet hat, hat die
Menschen brutalisiert, ihr Ehrgefühl abgestumpft, ihren
Mut gelähmt, sie zur Heuchelei und Lüge verführt. Die
Sucht, die Gemüter zu beherrschen und sich vollkommen unterthan
zu machen, hat die Kirchen veranlafst, das Denken der Menschen
mit grausenvollen Wahngebilden von Teufel, Hölle und jenseitigen
Martern zu vergiften, ihre Seelen mit Angst und Schrecken zu
erfüllen, die Aufklärung hintanzuhalten und die Unvernunft auf
den Thron der Welt zu setzen. Die Kirchen sind es, welche
jetzt wie ehedem allen Bildungsbestrebungen feindlich
gegenübertreten; sie drücken der Lehrerbildung und der
Jugendbildung ihren aufklärungsfeindlichen Stempel
nach wie vor auf. Allen grofsen Bewegungen der Gegenwart
gegenüber verhalten sie sich ablehnend und feindselig; sie