Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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602 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
etwas, das die alten Religionen, die alten Kirchen nicht zu ge-
währen vermögen: ein Drang, der nur auf neuen Wegen Be-
friedigung finden kann.
Solche neue Bahnen einzuschlagen, das dürfen wir von den
vorhandenen Kirchen nicht erwarten; vielmehr ist das nur mög-
lich, wenn an ihre Stelle ganz neue and anders geartete reli-
giöse Verbände und Gemeinschaften treten. Das würde
keineswegs schwer halten, wenn alle diejenigen, welche noch den
alten Kirchen nur äufserlich, aber nicht mehr mit dem Herzen zu-
gehören, aus ihnen auszutreten den Mut fanden; wenn sie es
wagten, die letzte Konsequenz ihres Standpunktes zu ziehen und
sich alsdann je nach ihren religiösen Uberzeugungen zu neuen
Religionsgemeinschaften zusammenzuschliefsen. Ich bin nicht
so optimistisch, zu meinen, dafs bei solchem Vorgehen die alten
Kirchen auf der Stelle verschwinden würden; aber sie würden sich
dermafsen leeren, dafs sie alle Bedeutung verlieren und ihren Ein-
flufs einbüfsen würden: sie würden alsdann auch zu kleinen Re-
ligionsgemeinschaften neben den anderen herabsinken. „Eine
Mahnung zur Aufrichtigkeit an alle, die es angeht", hat in No. 20
des VH. Jahrganges (1899) des „Freidenker" der freireligiöse
Prediger Georg Welker in Wiesbaden erlassen, worin folgende
Fragen gestellt werden: ,1. Glauben Sie das, was Ihre Kirche
lehrt? 2. Haben Sie einen Beruf, der Ihnen das Bleiben in Ihrer
Kirchengemeinschaft zur Pflicht macht? 3. Fürchten Sie für Ihre
gesellschaftliche Stellung, wenn Sie nicht mehr einer konfessionellen
Kirchengemeinschaft angehören? 4. Fürchten Sie mit Ihrem Aus-
tritt aus der Kirche Ihre Angehörigen zu verletzen? 5. Haben
Sie Kinder, deren Zukunft Sie durch Ihren Austritt aus der Kirche
zu gefährden meinen?" Welker zerstreut alle Bedenken, welche
auf diese Fragen hin geäufsert werden könnten, und schliefst mit
einem Appell an die Vernunft, das Ehrgefühl, die Aufrichtigkeit,
den Mut und die Menschenwürde. Möchte dieser Appell doch einen
lebhaften Widerhall in den Gemütern aller finden, welche den
Kirchen entfremdet und doch zu zaghaft sind, ihnen endgiltig
den Rücken zu kehren! Und es sind ihrer wahrlich nicht wenige.
Dafs der Bestand grofser Kirchen, wie in Europa, nur von
Nachteil für die Kulturentwickelung ist, sehen wir ja so deut-
lich überall, auf Schritt und Tritt. Der komplizierte Verwaltungs-
Apparat, mit dem sie arbeiten, die straffe Organisation, die sie
erfordern, das wohldisziplinierte, nach Rangabstufungen gegliederte
Priesterheer, das sie brauchen, verhindern jede freie Entfaltung,