Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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'§ 65. Ethisch-religiöse Volkserziehung. Ethische Kultur. 620
dung des Volkes nebensächlich wäre; aber jedenfalls spielen dabei
subjektive Faktoren eine weit bedeutsamere Rolle, als dies im
übrigen der Fall ist, freilich nicht so sehr, sofern dabei das Sittliche
in Frage, wohl aber sofern dabei die Verbindung des Sitt-
lichen mit dem Religiösen in Betracht kommt. Bei den
Beziehungen, in welche die verschiedenen Menschen das eine zu
zu dem anderen setzen, handelt es sich um so viele besonders ge-
ai'tete Unterströmungen, ganz persönliche äufsere und innere Er-
lebnisse, so völlig eigentümliche Gefühlsbedürfnisse und Gefühls-
töne, dafs alles Reglementieren, wie es doch beim staatlichen und
kommunalen Eingreifen unvermeidHch ist, als eine Verletzung, als
etwas Brutales und Störendes empfunden wird. Darum liegt ja
das religiöse Leben der Gegenwart so vollständig danieder, weil
es in den Fesseln des kirchen-regimentlichen, das Ganze bureau-
kratisch regierenden und nivellierenden Geistes sich beengt und
unfrei fühlt; weil es den Zwang in dieser Hinsicht nicht mehr
verträgt. Es hängt das zusammen mit dem Fortschritte, den die
Menschheit gemacht hat, mit der Verfeinerung des menschlichen
Organismus, an der auch das Fühlen teilgenommen hat. Die be-
stehenden Religionsgemeinschaften, die vorhandenen Kirchen haben
diesen Fortschritt nicht mitgemacht; sie sind da stehen ge-
blieben, wo sie vor Zeiten standen, als sie sich bildeten. Ein-
geengt durch starre Dogmen und überlebte, aber noch immer
festgehaltene Symbole, welche nicht mehr den Eindruck des Er-
habenen, sondern des Unvernünftigen hervorbringen, fühlt sich
in ihnen der moderne Mensch mit seinem verfeinerten Fühlen und
seinem von der logischen Vernunft geleiteten Denken nicht mehr
wohl. Statt Befriedigung für sein metaphysisches Bedürfnis zu
finden, empfindet er nur Mifsbehagen gegenüber dem starren: du
mufst glauben, was wir lehren, und du mufst in allen unseren
Bräuchen und Zeremonien tiefste Symbole erblicken. Dazu kommt,
dafs die Zahl der Menschen in beständigem Wachsen begriifen
ist, deren metaphysische Bedürfnisse nur gering sind; welche über-
haupt kein lebhaftes religiöses Interesse haben. Auch die Zahl
solcher mehrt sich, welche trotz lebhaften religiösen Interesses
nicht mit anderen in eine religiöse Gemeinschaft zu treten den
Wunsch und das Bedürfnis haben. Jedoch verkenne ich nicht,
dafs anderseits jetzt eine sehr starke religiöse Flutwelle
durch die Welt geht, ein mächtiges religiöses Sehnen die Menschen
erfalst hat. Aber dieses Sehnen ist doch auch grundverschieden
von dem bisherigen; es ist der Drang nach etwas Neuem, nach