Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
äufsernden Fanatismus hervor, wofür die islamisch-arabische Invasion
in Afrika und Europa im Mittelalter ein untrügliches Beispiel ist.
Am günstigsten scheint auf den Menschen eine gewisse beschränkte
Mannigfaltigkeit der Naturumgebung zu wirken; dieselbe hat Reich-
tum der Erfahrungen zur Folge, nötigt zu Lebendigkeit und Behen-
digkeit in der Auffassung, ohne doch die Konzentrations-Fähigkeit
zu beeinträchtigen. In einer gewaltigen, beständig mit Gefahren
drohenden Naturumgebung, wie sie für viele Meeres-Anwohner ge-
geben ist, stählt sich der Mut, entwickelt sich umsichtige Thatkraft.
Eine liebliche und anmutige Gegend, wo grofse Katastrophen aus-
geschlossen sind und höchstens Gewitter einigen Schaden anrichten
können, übt einen besänftigenden, gleichsam zähmenden Einflufs auf
die Triebe des Menschen aus, bedingt eine gewisse Milde und Weich-
heit des Wesens. In einer unfruchtbaren Umgebung entwickelt sich
leicht nicht blofs, wie zuvor schon gezeigt wurde, Ernst und Hin-
neigung zu trüber und gedrückter Stimmung, sondern auch Trotz
und Auflehnungslust, wie in einer fruchtbaren nicht nur Heiterkeit
und froher Sinn, sondern auch eine gewisse nonchalante Bonhomie.
— Jedenfalls beeinflufst also das Natur-Milieu die Entwickelung
der Eigentümlichkeiten des Menschen in der verschiedensten Weise,
ist somit ein Faktor, mit dem jeder rechnen mufs, der irgendwie
auf Menschen wirken will. Aber anderseits darf derselbe doch
auch nicht überschätzt werden, namentlich nicht in der Gegenwart
und unter den bei uns bestehenden Verhältnissen.
Die Wirksamkeit der Naturumgebung auf Ge-
schmacks-, Geistes- und Charakter-Entwickelung wird
heutzutage, in unserem reise- und wanderlustigen Zeit-
alter, im Zeitalter der Freizügigkeit in nicht geringem
Grade abgeschwächt, im Sinne einer Ausgleichung der
mannigfachen besonderen Einwirkungen; namentlich
gilt das bezüglich der Weite des Erfahrungskreises.
Derselbe wird nur da ein sehr enger sein, wo das Kind ruhig in
seinem Milieu bleibt, eine Gefahr, die aber heute eben eine nur
geringe und wirklich vorhanden eigentlich blofs noch in ganz
entlegenen Gebirgs- oder Inselortschaften ist.
Sehr bedeutsam ist in zweiter Linie der Einflufs,
welchen die das Kind umgebenden Menschen auf die
Art seiner Individualisierung ausüben. Vor allem kommen
dabei in Betracht die engeren Familienmitglieder, ferner die
weiteren Verwandten, die Dienstboten, die etwaigen Hausmit-
bewohner, schliefslich die bürgerliche Gemeinschaft im grofsen und