Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 63. Ästhetische Volkserziehung. Volksunterhaltungen. 599
ist. Daraus geht docli klar hervor, dafs in diesen Kreisen ein
ganz neues, anders geartetes soziales Gewissen in der Entwicke-
lung begriffen ist. Und statt zu klagen, dafs dieses Gewissen noch
schwach ist und einseitig sich regt, statt über die „bürgerlichen"
Kreise einfach ein bedingungsloses Verdammungsurteil zu fallen,
sollte man sich vielmehr über das freuen, was von dem neuen
Gewissen bereits in die Erscheinung zu treten beginnt, und daraus
die Hoffnung und. Erwartung herleiten, dafs dieses Gewissen all-
mühlich erstarken und wachsen werde. Und noch eins. Voll
pessimistischer Verachtung sich abwenden, ist leicht und billig,
aber eben darum nicht würdig einer starken und zielbewufsten
Genossenschaft, wie sie die organisierte Arbeiterschaft ist. Man
suche vielmehr zu gewinnen und zu überzeugen; man gebe sich
vielmehr die Mühe, das soziale Gewissen auch der „bürgerlichen"
Kreise allseitig zu wecken und zu stärken. Wir stehen ja noch
ganz im Anfange der neuen grofsen sozialen Bewegung; was be-
deutet ein halbes oder auch ganzes Jahrhundert für die Evolu-
tion! Ich meine, es liegt noch gar kein wirklich triftiger Grund
zum Pessimismus vor: es sei denn der, dafs man sich selbst zu
schwach fühlt. Pessimismus ist ein Zeichen der Schwäche.
Was endlich den praktischen Erfolg von Volksunterhal-
tungen und dergleichen Einrichtungen betrifft, so überschätze ich
denselben keineswegs. Aber es handelt sich hierbei, namentlich
sofern die Volksunterhaltungen in Betracht kommen, zumeist um
ganz unwägbare und unmefsbare Dinge. Den Erfolg eines Kunst-
genusses kann man nicht mit Händen greifen; man kann ihn nicht
auf die Wagschale legen und mit dem Metermafse messen. Gewifs
wird manches geboten, was über das Verständnis eines grofsen
Teils der Hörer hinausgeht. Aber was geht z. B. von musika-
lischen Darbietungen nicht überhaupt, auch bei den „Gebildeten",
sofern sie nicht musikalisch geschult sind, über das, was man das
Verständnis nennt, hinaus! Das heifst über die Fähigkeit hinaus,
sich über das Gehörte mit Hilfe des Intellektes klar zu werden.
Und noch ein anderes. Bei der Verschiedenheit der menschlichen
Anlagen wird stets von einem künstlerischen Programm für einen
bestimmten Menschen nur ein kleiner Teil der Darbietungen von
tieferem Interesse und nachhaltigerer Wirkung sein. Uberhaupt
darf man meines Dafürhaltens gar nicht so grofsen Nachdruck auf
den praktischen Erfolg von Kunstgenüssen legen, eben weil das
unwägbare und unmefsbare Dinge sind, Dinge, die sich der un-
mittelbaren sinnlichen Wahrnehmung entziehen. Man mufs Kunst-