Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 63. Ästhetische Volkserziehung. Volksunterhaltungen. 597
ein überaus heikler Punkt, und ich verstehe das gerade in diesem
Punkte so überaus zarte und feine und leicht verletzliche Ehr-
gefühl vollkommen und bin weit davon entfernt, es unberechtigt
zu finden. Aber man mufs die Sache auch nicht übertreiben;
man muls nicht allzu mifstrauisch sein. Wenn man die Dinge so
zu betrachten versucht, wie ich dies angedeutet habe, und wie sie
nach meiner Überzeugung auch anzusehen sind, dann kann man
die getroffenen Veranstaltungen gutheifsen und getrost, ohne sich
auch nur das Geringste dabei zu vergeben, unterstützen.
Aber, sagt der Gegner, sie haben keinen praktischen Erfolg
und somit keinen Zweck, und überdies lenken sie nur Veranstalter
und Teilnehmer von der Hauptsache ab. Das bestreite ich wieder
aus psychologischen Gründen. Dafs Volksunterhaltungen die Teil-
nehmer nicht von der Hauptsache ablenken, dafür sorgt schon das
Leben genügend. Volksunterhaltungen schaffen ja, ebensowenig wie
alle anderen Volksbildungs-Bestrebungen, von den harten und grau-
samen Thatsachen nichts aus der Welt, welche zum Kampfe um wirt-
schaftliche und politische Besserstellung die Veranlassung sind. Man
hat sich zu der Behauptung verstiegen, sie wirkten „degenerierend".
Das soll wohl heifsen, sie wirkten lähmend und schwächend auf
die Willenskraft, auf die Energie ein. Ich glaube, ich brauche
diesen Einwurf nicht emsthaft zu nehmen; er ist wohl nur eine
der so leicht vorkommenden tendenziösen Übertreibungen. Jeden-
falls werde ich ihn solange nicht ernsthaft nehmen, als bis mir
die Behauptung beweisende Thatsachen vorgeführt werden; denn
das ist ja etwas, was nicht unwägbar und unmefsbar ist, was viel-
mehr unter Umständen durch Thatsachen belegbar wäre. Eher
möglich ist es dagegen, dals die Veranstalter von Volksbildungs-
Bestrebungen zu dem Glauben gelangen, sie hätten mit eben den-
selben schon genug gethan. Das Vorhandensein einer solchen
Gefahr leugne ich nicht; aber ich möchte diese Gefahr auch nicht
überschätzt wissen. Ihre Beseitigung ist jedenfalls leicht genug.
Und überdies mufs man doch sehr blind und sehr verrannt
sein, wenn man glaubt, mit Volksunterhaltungen und Volks-
kursen den vorhandenen Notstand der breiten Massen aus der
Welt schaffen oder auch nur lindern zu können. Vielleicht giebt
es unter den Veranstaltern humanitärer Bestrebungen solche Leute;
mir sind keine persönlich bekannt. Zumeist handelt es sich nach
meiner Erfahrung nur um einen Mangel an Zuendedenken, an
Ausdenken, und ein solcher ist bei etwas festem und gutem Willen
unschwer zu beseitigen.