Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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596 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
Humanitäre Bestrebungen, insbesondere die Volksunterhal-
tungen, sind nicht blofs möglich, sondern auch berechtigt und
notwendig; sie sind eine Nebensache, die, wie wir gesehen haben,
ihre guten Gründe in der menschlichen Natur, nämlich in dem
Genufsbedürfnis des Menschen, hat. Das Vorhandensein dieses
Genufsbedürfnisses ist eine Thatsache, die sich nicht wegdisputieren
läfst. Ich erinnere wieder an das schon oben angeführte konkrete
Beispiel. Das Jenaer Gewerkschaftskartell veranstaltet bisweilen
auch Unterhaltungsabende, doch wohl weil die Mitglieder der
verschiedenen Gewerkschaften das Bedürfnis nach künstlerischen
Genüssen haben und nach Befriedigung desselben verlangen. Dies
künstlerische Genufsbedürfnis ist eben ein ganz natürliches und als
solches wohl berechtigtes. Darum thun alle diejenigen Recht,
welche demselben Rechnung tragen. Darum ist es geradezu eine
soziale Pflicht, wenngleich vorläufig nur sekundärer Art, für
seine Befriedigung zu sorgen. Ich bin weit davon entfernt, be-
haupten zu wollen, dafs dies immer in der richtigen Weise ge-
schieht; aber dafs es überhaupt geschieht, das, behaupte ich, ist
Recht. — Es wäre freilich schön, wenn die Volksunterhaltungen,
die jetzt ganz und gar private Veranstaltungen sind, sich von sich
selbst aus bezahlt machten, und ich bin durchaus der Ansicht,
dafs sie in keiner Weise eine Wohlthätigkeits - Einrichtung sein
sollen; denn Wohlthätigkeit ist ein Überwundenes, gilt heutzutage
als etwas, das den Empfänger demütigt und erniedrigt: an Stelle
des Almosengebens und Almosenempfangens sind soziale
Pflichten und soziale Rechte getreten. Von Wohlthätig-
keits-Veranstaltungen und -Einrichtungen wollen daher die fort-
geschritteneren und klarer denkenden Arbeiterkreise, die, in denen
ein starkes Solidaritäts - Gefühl sich durchgerungen hat, die ziel-
bewufsten, die organisierten Arbeiter mit Recht nichts mehr
wissen. Nun meine ich aber, dass die Veranstaltungen, von denen
hier die Rede ist, das nicht gleich werden, wenn etwaige Fehl-
beträge aus Privatmitteln gedeckt werden. Es ist dies eine Steuer,
welche sich sozial-gesinnte Menschen selbst auferlegen. Und selbst
wenn die soziale Gesinnung der Betreffenden noch nicht in allen
Stücken einwandfrei ist, so kann man sich doch jene Steuer immer-
hin gefallen lassen, ohne sich in seinem Ehrbewufstsein verletzt
zu fühlen. Man mufs nur gerecht und billig denken, nicht gleich
zu viel erwarten. Man mufs sich über die leiseste Regung des
neuen sozialen Gewissens der Menschen freuen und darin den An-
fang einer weitergehenden Entwickelung begrüfsen. Es ist das ja