Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 64. Ästhetische Volkserziehung. Volksunterhaltungen. 595
mag man durch Thatsachen leicht zu widerlegen. Die zielbewufste,
organisierte Arbeiterschaft, um ein konkretes Beispiel zu nehmen:
das Jenaer Gewerkschaftskartell, hat sicherlich die Hauptsache
stets fest im Auge; aber das hindert nicht, dafs man nebenher
auch Theatervorstellungen, Konzerte und Rezitationsabende veran-
staltet. Man würde das ganz gewifs nicht thun, wenn man glaubte,
es nicht mit vollkommen gutem Gewissen tluui zu können; wenn
man glaubte, dadurch die Hauptaufgabe au.s dem Auge zu ver-
lieren und zu vernachlässigen. Was in diesem Falle möglich ist,
ist ebenso möglich bezüglich aller Personen, die den ernsten und
festen Willen haben, mitzuhelfen, dals bessere Zustände in wirt-
schaftlicher wie politischer Hinsicht eintreten. Natürlich ist diese
Möglichkeit nicht bei allen dié gleiche; es richtet sich das nach
den dem Einzelnen zu Gebote stehenden Kräften und auch nach
seinen Fähigkeiten, nach seiner Begabung. Es scheint ein sehr
einfaches Rechenexempel zu sein, zu sagen: wessen Kräfte nicht
ausreichen, die Haupt- und die Nebensache zu fördern, der be-
schränke sich nur auf jene, der stelle seine Kräfte einzig und allein
in ihren Dienst. Blofs wer über eine solche Kraftfülle verfügt,
dafs die Förderung der Hauptsache noch einen Überschufs an
Kräften übrigläfst, der verwende diesen Überschufs zu Gunsten
der Nebensache. So einfach liegen die Dinge in Wirklichkeit aber
doch nicht. Bei aller Anerkennung dessen, worauf es in erster
Linie ankommt, kann einem Menschen die Begabung fehlen, dafür
praktisch thätig zu sein, während er vielleicht grofse praktische
Fähigkeiten für das andere besitzt. Soll er diese Fähigkeiten un-
benutzt lassen? Dann ist er entweder zu völliger Unthätigkeit
verdammt oder, wenn er sich darein nicht ergeben will, in die
peinliche Lage versetzt, Stümperhaftes leisten zu müssen, wodurch
er vielleicht, ja ganz wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen
stiftet. Mag die Fähigkeit immerhin nur eine Fähigkeit für Neben-
sächliches sein, er hat das Recht und die Pflicht, diese seine
Fähigkeit auszunutzen, um so mehr, wenn es sich, wie in unserem
Falle, um eine so wichtige und bedeutsame Nebensache handelt.
Dafs die Nebensache, von der ich hier spreche, eine solche ist,
darüber kann nach dem bereits eingangs des vorigen Paragraphen
Gesagten kein Zweifel herrschen. Doch will ich auf einige dieser
Argumente nochmals etwas genauer im Folgenden eingehen, die-
selben mehr in ihrer positiven Bedeutung darlegen und noch einige
weitere Punkte, die nicht unwichtig sind, im Anschlufs daran er-
örtern.
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