Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 63. Ästhetische Volkserziehung. Volksunterhaltungen. 593
den Händen eines Theater-Ausschusses Hegen, zu dem jede Stadt
ihren Vertreter stellt, und der gemeinsam über die Verwaltung
des Städtebund-Theaters zu wachen hat. Jede Stadt müfste für
einen geeigneten Raum sorgen; die Bühne müfste in allen vereinigten
Städten ungefähr die gleichen Raumverhältnisse haben, damit die
vom Bunde anzuschaffenden Dekorationen für alle Städte Verwen-
dung finden könnten. Die künstlerische Leitung wäre einem fest-
angestellten und von den Bundes - Städten gemeinschaftlich besol-
deten Theater - Direktor zu übertragen. Das Städtebund-Theater
könnte natürlich nicht ausschliefslich ein Volkstheater sein, da es
sonst zu grofse Kosten verursachen würde; aber es könnte stets
eine Reihe von Volksvorstellungen veranstalten, was jetzt, wo die
Theater der kleinen Provinzstädte zumeist reine Privat-Untemeh-
mungen sind, nicht gut möglich ist, da sonst der Theaterleiter
nicht auf seine Kosten kommt: er vermag in der Mehrzahl der
Fälle höchstens nur ein paar billigere Vorstellungen in der Saison
zu geben. Der „südholsteinische Theaterverband", den auf die von
Löwenfeld gegebene Anregung die Bürgermeister der Städte Elms-
horn, Barmstedt, Glückstadt, Itzehoe, Uetersen und Pinneberg im
Frühjahr 1900 zu gründen sich bemühten, ist leider nicht zu-
stande gekommen; der Plan scheiterte an dem ablehnenden Ver-
halten einiger städtischer Kollegien. Eine praktische Frucht hat
somit die Löwenfeldsche Anregung bisher noch nicht getragen.
In den grofsen Städten müfsten überall Volksbühnen, Volks-
schauspielhäuser eingerichtet werden, etwa nach Art des
Berliner Schiller -Theaters. Auch hier müfste stets
neben dem guten Alten das gute Neue berücksichtigt werden,
wie dies z.B. der Verein „Freie Volksbühne* in Berlin thut;
es gelangten von demselben, der sich nach Auflösung des alten
im März 1897 neu konstituierte, veranstaltet vom 1. April 1897
bis 1. März 1898 zur Aufführung: Der Kaufmann von Venedig
von Shakespeare, Die Mütter von Hirschfeld, Der 6'wissens-
wurni von Anzengruber, Illusionen von Mönckeberg, Die Hexe
von Fitger, Die Fahnenweihe von Rüderer, Sein Jubiläum von
Preczang, Die Jugend von Halbe, Bartel Turaser von Langmann,
Cyprienne von Sardou, Abu Seid von Blumenthal. Aber durch-
aus ferngehalten müssen alle solche Erzeugnisse werden, welche
wohl als Volksdramen von ihren Verfassern bezeichnet werden,
jedoch nichts weiter sind als spektakulöse Ausstattungsstücke, deren
Kunstwert gleich Null ist, was z. B. auch von den Devrientschen
Machwerken „Gustav Adolf", „Luther' und dergleichen mehr gilt.
Bergemann, Soziale Pädagogik. 38