Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
42 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
Keckheit, Derbheit und Rauflust bemerklich macht. Ferner er-
innere ich an die allen bekannten Unterschiede, welche nördliches
und südliches Klima bedingen. Solche Unterschiede finden sich
nicht blofs zwischen in weitauseinander liegenden Zonen wohn-
haften Völkern, also zwischen Nord- und Südländern im eigent-
lichen Sinne, sondern auch zwischen den nördlichen und südlichen
Stämmen eines und desselben Volkes. Der Norddeutsche rühmt
sich seiner Energie und rastlosen Thätigkeit, der Süddeutsche
seiner Gemütswärme. Die Engländer erscheinen den Schotten,
obwohl sie uns noch verschlossener und ernster als die Nord-
deutschen vorkommen, heiter und gesprächig, die Schotten den
Engländern so zugeknöpft und zurückhaltend, dafs sie ihnen Ver-
schlagenheit und Geiz vorwerfen. In Spanien ist der Galizier und
Katalone weitaus fleifsiger als der Andalusier, und derselbe Unter-
schied gilt bezüglich des Fiemontesen und Lombarden einer- und
des Neapolitaners und Kalabresen anderseits. Der Südfranzose ist
wegen seiner wein- und sangesfrohen Heiterkeit berühmt; jeden-
falls ist er viel fröhlicher als der Nordfranzose. Die nämliche
Beobachtung bat man hinsichtlich des Nord- und des Südrussen
gemacht, wennschon auch diesem nicht gänzlich die slavische
Melancholie fremd ist. Der Südchinese wird als heifsblütiger und
leichtlebiger denn der Nordchinese geschildert; sogar vom Süd-
arabier behauptet man, dafs er nur wenig von der Würde und
steifen Grandezza des Arabers von Damaskus und von Nedschd
habe. Kurz und gut, überall bedingt das südliche Klima gegen-
über dem nördlichen mehr Heiterkeit, aber auch zumeist mehr
Trägheit und Willensschwäche; das ist im ganzen, als Volks-
charakter, aber ebenso im einzelnen, als Individual-Eigentümlich-
keit, soviel Ausnahmen hier auch vorkommen mögen, wahrnehmbar.
Endlich möchte ich noch auf einige kleinere Einzelzüge hin-
weisen, welche die Bedingtheit des psychischen Lebens des Menschen
durch die Naturumgebung erhärten. Man hat oft die Beobachtung
gemacht, dafs ein zu grofser Reichtum der Natur zerstreuend
wirkt und die Konzentrations-Fähigkeit des Geistes in ihrer Ent-
wickelung hemmt. Eine zu grofse Einförmigkeit auf der anderen
Seite, wie sie Steppe und Wüste bieten, wirkt, wenigstens auf die
Einbildungskraft, oft vereinseitigend, bedingt nicht selten eine auf
das Erhabene gerichtete, wohl auch abstruse Phantasie. Dieselbe
bringt bei ihrer Beeinflussung des meist durch zähe Entschlossen-
heit sich auszeichnenden Charakters von Steppenvölkern einseitigsten
religiösen, in erobernder und unterwerfender Bekehrungswut sich