Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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582 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
ist, ihre Freiheit, und das, wodurch sie so allgemein wirksam ist,
den Reiz des Vergnügens." Aber die Kunst mufs zur Erreichung
ihres Zweckes sich der grofsen und treibenden Ideen der jeweiligen
Weltanschauung als Mittel bedienen und unter diesen auch der
ethischen, und auf diese Weise wird sie eben ganz von selbst
„einen wohlthätigen Einflufs auf die Sittlichkeit" haben. Aufser
allen diesen Gründen sprechen für die Pflege der ästhetischen
Volkserziehung dann noch die schon im allgemeinen für die Not-
wendigkeit der Volkserziehung überhaupt geltend gemachten. Vor
allem ist zu bedenken, dafs der Ausfall von Kunstgenüssen einen
sehr empfindlichen Mangel an Bildung bedeutet; mag auch die
Jugend-Erziehung in dieser Hinsicht ihre Pflicht noch so gut erfüllt
haben, das genügt nicht: der ästhetische Sinn, den zu erwecken
die Erzieher der Jugend alles gethan haben, verkümmert schliefs-
lich, wenn ihm nicht immer wieder neue Nahrung zugeführt wird.
Es gilt, die Genufsfähigkeit für Kunst rege zu erhalten; sonst
schiebt sich „der Keil des in seiner Depravation sich überheben-
den Empfindungslebens" zerreilsend und zersprengend zwischen die
anderen Teile des inneren Seins, des Wollens und Denkens, hinein,
Einseitigkeit, ja Disharmonie erzeugend und jedenfalls eben die
Allgemeinbildung beeinträchtigend.
Die Gegenstände der ästhetischen Volkserziehung sind die
Gegenstände der Kunst überhaupt; es handelt sich dabei um den
ganzen Kreis der verschiedenen Künste: die darstellende Kunst,
Malerei und Plastik, die Baukunst, die redende Kunst, lyrische,
epische und dramatische Poesie und die Musik. Natürlich werden
durch die entsprechenden Veranstaltungen nicht Zustände ge-
schaffen werden, welche gar nichts mehr zu wünschen übrig lassen.
Aber jedenfalls werden bessere und gesündere Verhältnisse herbei-
geführt werden, als sie gegenwärtig bestehen. Rohe Gesellen, die
jedem edleren Lebensgenüsse abhold sind und nur an wüsten Trink-
gelagen und anderen Ausschweifungen Gefallen finden, wird es
vermutlich immer geben. Niemals werden alle Menschen ein gleich
empfängliches Gemüt für das Kunstschöne besitzen; stets wird es
mehr oder weniger fein organisierte, wird es neben durch und
durch ästhetischen auch solche Naturen geben, denen so gut wie
jeder künstlerische Geschmack abgeht. Soweit es jedoch er-
zieherische Bestrebungen vermögen, die Zahl der feinempfindenden
Menschen zu vermehren, mufs alles gethan werden, um dieses
Resultat zu erzielen. Als unübersteigliche Schranke darf nur die
spezifische Beanlagung angesehen werden. Die Veranstaltungen,