Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 63. Ästhetische Volkserziehung. Volksunterhaltungen. 581
welche dem Leben des Menschen erst wahren Wert verleiht; wenn
aber dem Leben etwas Wesentliches nicht fehlen soll, so darf das
Spiel nicht fehlen: ein Leben, das ganz erfüllt wäre von nützlicher
und tüchtiger Arbeit, würde uns nicht ganz gefallen, nicht voll be-
friedigen; es würde einem solchen Leben das Freie, das Poetische ab-
gehen. Ein ausschliefslich der nützlichen Bethätigung gewidmetes
Leben nannten die Griechen ein „banausisches", und Aristoteles
sagt einmal: „Wir arbeiten, um Mufse zu haben." Auch erinnere man
sich der Worte Schillers in seiner Abhandlung „Über den Grund
des Vergnügens an tragischen Gegenständen"; es heifst dort u. a.:
„Spielend verleihen die schönen Künste, was ihre ernsten Schwestern
uns erst mühsam erringen lassen; sie verschenken, was dort erst
der sauer erworbene Preis vieler Anstrengungen zu sein pflegt",
Worte, ganz dazu angethan, auch den begeistertsten Nützlichkeits-
Propheten zu beruhigen, wenn er sich darüber ereifern will, dafs
dem Erwachsenen Gelegenheit gegeben werden soll, den ihm von
Natur eignenden Spieltrieb zu befriedigen durch das Geniefsen des
Kunstschönen. Schliefslich ist doch auch zu bedenken, dafs der
Mensch das Bedürfnis nach Erholung und Ausspannung hat; nie-
mand vermag es, nur zu arbeiten, ohne sich Erholung zu gönnen.
Wer dazu gezwungen ist, verkümmert und wird schliefslich ein
blofses Lasttier der Arbeit, sinkt zur blofsen Arbeitsmaschine herab,
wird nicht selten auch über kurz oder lang arbeitsunlustig und
untüchtig, arbeitsmüde und lebensüberdrüssig. Also ganz sicher
bedarf der arbeitende Mensch der Erholung und des heiteren,
frohen Genusses. Ein solcher im edelsten und besten Sinne ist
der Genufs des Schönen, der Kunstgenufs. Das Vergnügen,
das die Kunst gewährt, ist von günstigstem Einflufs auf die
Energie des Menschen, indem sie sein Lebensgefühl stärkt
und erhöht. Zudem lenkt sie die Blicke des Menschen hin auf
das Ideale und hebt ihn empor in das Reich des Idealen; dient sie
doch als Vermittlerin von allem, „was Menschenbrust durchbebt
und Menschenherz erhebt." Ja, man kann sogar sagen, dafs die
Kunst einen gewissen Einflufs auf die Sittlichkeit des Menschen
ausübt. Ihr Zweck ist selbstverständlich nicht moralisch; ist er
das, so „verliert sie", wie Schiller sehr treff'end in der schon er-
wähnten Abhandlung bemerkt, „das, wodurch sie allein mächtig
breitung von Volksbildung". Reich, „Die Kunst und das Volk." Ferner
kommen in Betracht Sonderberichte und Berichte, Mitteilungen und Notizen
in den früher genannten Zeitschriften und das von Löwenfeld herausgegebene
Organ „Die Volksunterhaltung.'