Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 60. Öfifentliche Lesehallen und Volksbüchereien. 555
die Büchereien verteilt werden, und ferner zahlt er eine Geld-
beihilfe an den Ausschufs für Förderung der Volksbildung, Ud-
valget for Folkeoplysnings Fremme, der gute und belehrende
Bücher zu billigen Preisen herausgiebt. In Finnland bestehen
grölsere Volksbüchereien in Helsingfors, Abo und Wiborg: die
in Helsingfors enthält über 18000 Bände. Die Stadt, welche
70 000 Einwohner zählt, giebt jährlich dafür 20 000 Mark her.
Auf dem Lande giebt es 800 Büchereien, einige mit Lesezimmern.
Deutschland ist auf dem Gebiete des Volksbildungs-
wesens, wir dürfen es uns nicht verhehlen, zurückge-
blieben. Und was bei uns geschieht, geschieht zum gröfsten
Teile auf privatem Wege und mit Hilfe von Privatmitteln; ja,
unsere deutschen Kommunen verhalten sich sogar in sehr vielen
Fällen ablehnend, selbst feindlich, wie wir dies u. a. in Jena er-
lebt haben, von staatlicher Förderung und Unterstützung ganz zu
schweigen. In Preussen sind z. B. im laufenden Etatsjahre zum
ersten Mal Geldmittel in den Etat des Kultusministeriums zu
Volksbibliotheks-Zwecken eingestellt worden und zwar auch bloss
50000 Mark. Und doch ist die Einrichtung von öffentlichen Lese-
hallen und Volksbibliotheken eine Aufgabe, durch deren Erfüllung
Staat und Gemeinde sich selbst die gröfsten Dienste leisten. Im
praktischen England hat man das längst erkannt; aber in Deutsch-
land sind die mafsgebenden Kreise seit den Ereignissen von 1870
und 1871 von dem Gröfsenwahn der Weltmachtspolitik besessen
und haben für das Nächstliegende kein Verständnis und kein
Geld. Für Volksbildung will man auch gar kein Verständnis bei
uns haben; man fürchtet sich instinktiv vor dem aufgeklärten
„deutschen Michel". Derselbe wird sich allerdings nicht mehr so
geduldig wie bisher die Zipfelmütze über die Ohren ziehen lassen
und nicht mehr so ruhig wie bisher immer tanzen, wie die Re-
gierungen pfeifen. Aber dafür wird er ein wahrhaft nützliches Glied
in Staat und Gesellschaft sein, und was auf der einen Seite aufge-
wendet wird, wird auf der anderen Seite mit Wucherzinsen wieder
einkommen. Der rechnende englische Geist würde nicht 16000000
Mark für öffentliche Bibliotheken jährlich ausgeben, wenn nicht
die Erfahrung gelehrt hätte, dafs sehr praktische Erfolge mit
diesem Gelde erzielt werden. Uberall nämlich, wo solche
Anstalten bestehen und im richtigen Geiste verwaltet
werden, haben sich, wie das in dem im Frühjahr 1899 ver-
sandten Rundschreiben der .Comenius - Gesellschaft" ,An die
Magistrate der deutschen Städte" treffend hervorgehoben wird.