Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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38 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
steht, als die Entwickelung des unreifen zum reifen Menschen.
Und in der That begegnet uns diese Auffassung gar nicht selten
in der pädagogischen Litteratur. Man spricht alsdann von un-
willkürlicher Erziehung und unwillkürlichen Miterziehern im Gegen-
sätze zu der willkürlichen, gewollten Erziehung und zu den mit
vollem Bewufstsein ihre Thätigkeit ausübenden Erziehern. Nun,
ich will mich nicht in einen Streit um Worte — und etwas
anderes ist es thatsächlich nicht — einlassen. Ich fasse den
Begriff der Erziehung in dem zuvor angegebenen engeren Sinne
auf und spreche von den sonstigen Einwirkungen auf den Zögling
als von dem Milieu. Dieses Milieu umfafst die das Kind um-
gebende Natur und die es umgebenden Menschen; bald wirkt
dasselbe erleichternd, bald störend und hemmend ein. Dafs dies
wirklich der Fall ist; dafs das Medium, in welchem der Mensch
heranwächst, von Einflufs, sogar von sehr grofsem Einflufs auf
ihn ist, das ist eine unbestreitbare Thatsache der Erfahrung.
Biologen, Ethnologen, Historiker und Psychologen haben diese
Einflüsse studiert und ihre Wirkung auf den psycho-physischen
Organismus des Menschen nachgewiesen. Diese Wirkung kann
von doppelter Art sein, indem entweder die Einflüsse
des Mediums einfach entfaltend oder auch modifizierend
wirken. Das eine wie das andere vermögen sie natürlich blofs
nach Mafsgabe der ursprünglichen Anlage. Bedenken wir jedoch,
dafs dieselbe, namentlich in der Sphäre des Geistigen, eine viel-
fältige bei dem normalen Durchschnitt ist; dafs sie geradezu bei
diesem eine solche und zwar ziemlich gleich starke für Ver-
schiedenes ist, so ergiebt sich die Möglichkeit zahlreicher und
tiefgreifender Modifikationen als Folgen der Umwelts - Einflüsse.
/Greifen wir nur einmal das moralische Gebiet heraus. Der Durch-
schnittsmensch hat für das Gute und für das Böse im grofsen und
ganzen die nämliche Begabung; dieselbe wird sich demnach am
ehesten nach der Richtung hin entfalten, auf welche ihn seine
Umgebung hinweist. So sehen wir ja thatsächlich in lasterhaften
Umgebungen lasterhafte Kinder heranwachsen, auch wenn irgend-
welche erbliche Belastung oder Variations-Anomalie nicht nach-
weisbar ist. Überhaupt können wir ja auf Schritt und Tritt den
Einflufs der Beispiele der Erwachsenen auf die Sitten und Gewohn-
heiten der Heranwachsenden beobachten, Wahrnehmungen, welche
Sprichwörter wie diese: ,Wie die Alten sungen, so zwitschern
■ auch die Jungen" — „Böse Beispiele verderben gute Sitten"
\ u. a. m. haben entstehen lassen. Desgleichen können Klima, Lebens-