Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 60. Öfifentliche Lesehallen und Volksbüchereien. 549
stellten Arbeitern zugute kommen, das bewirken, dafs eine Art
von Arbeiter-Aristokratie herangebildet wird, welche ver-
möge ihrer gröfseren Intelligenz in ganz anderer Weise für die
wirtschaftliche und auch politische Besserstellung der Arbeiter-
schaft einzutreten imstande ist als die ungebildeten, weniger intelli-
genten Genossen.
Bei der Einrichtung öffentlicher Lesehallen und Bibliotheken
mufs der Grundsatz befolgt werden, dafs nur das Beste gerade
gut genug und bei der Auswahl des Lesestoffes unbedingte
Parität das Richtige ist: nichts ist auszuschliefsen, was nicht
sittlich anstöfsig ist, was nicht zu der Kategorie der ,Schund-
litteratur" gehört. Nach diesem Grundsatze ist man in Jena ver-
fahren; in § 3 der „Satzungen des Lesehallen Vereins" daselbst
heifst es ausdrücklich: „Bei Auswahl des anzuschaffenden und An-
nahme des angebotenen Lesestoffes ist strenge Neutralität gegen-
über allen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Parteien
einzuhalten unter Abwehr milsbräuchlicher Ausnützung der Ein-
richtungen des Vereins zu Gunsten einzelner Parteien." Diesen
Grundsatz hat auch die Comenius-Gesellschaft zu dem ihrigen ge-
macht; überhaupt erkennen denselben alle rechtlich denkenden
wahren Volksfreunde als den einzig berechtigten an. Öffentliche
Lesehallen und Volksbibliotheken, welche die litterarischen Aufse-
rungen einer Partei begünstigen, verlieren ihren Charakter als
Bildungsmittel des gesamten Volkes, sinken zu Partei-Ein-
richtungen herab und ziehen über kurz oder lang andere ten-
denziöse Anstalten nach sich. Solche Institute verfehlen somit
ganz und gar ihren Zweck, sie säen Hafs und Zwietracht, sie
spalten und zersplittern die Kräfte: sie wirken geradezu zerstörend,
in demselben bildungsfeindlichen und staatszersetzenden Sinne wie
die konfessionellen Schulen. Derartigen Erwägungen sind freilich
die Dunkelmänner vom Schlage der an Organen wie der „Kreuz-
zeitung" und der „Kölnischen Volkszeitung' mafsgebenden Per-
sönlichkeiten unzugänglich, wie u. a. ein Artikel in der letzteren
vom 31. Mai 1899 genugsam beweist, worin jener Grundsatz rund-
weg als „unannehmbar" bezeichnet wird. Daher enthält die neuer-
dings in Bonn gegründete katholische Lese- und Bücherhalle nur
katholische Zeitungen und hat für die Werke Schillers und Goethes
keinen Platz. Die Benützung der Lesehallen und Volksbibliotheken
mufs unentgeltlich und allen Volksgenossen männlichen und weib-
lichen Geschlechtes, soweit sie der Erziehung entwachsen sind,
ohne weiteres gestattet sein und zwar ohne jede bureaukratische