Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 545
für sie an die zuvor näher bezeichnete Sektion des Erziehungs-
rates. Dieser, dem vom Standesamte aus natürlich stets sofort
jede neugemeldete uneheliche Geburt mitgeteilt werden mufs,
nimmt sich alsbald der Neugeborenen an und bringt die Kinder
erforderlichenfalls in Kinder-Heimstätten, Erziehungshäusern oder
auch in Familien unter, die selbstverständlich seiner Kontrolle
unterstehen. Alles Geld, das für die Erziehung dieser Kin-
der zur Verfügung steht, geht durch seine Hände.
Endlich wären bei der Fürsorge für die unehelichen Kinder in
ihrem wie in der Gesellschaft Interesse noch folgende Punkte zu
beachten. Die Unterhaltspflicht des unehelichen Vaters müfste
nicht blofs wie im neuen bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1708) bis
zur Vollendung des sechzehnten Lebensjahres des Kindes, sondern
bis zu dem Zeitpunkte ausgedehnt werden, da dasselbe auf
eigenen Füfsen zu stehen vermag, wie das doch eigentlich
ganz selbstverständlich ist. Denn was dem einen Teile der Kinder
recht, das ist doch auch dem andern billig; wie für das eheliche
Kind der Vater so lange sorgt und sorgen mufs, bis es sich selbst
durch die Welt bringen kann, so besteht für den unehelichen
Vater ebenfalls die Unterhaltspflicht so lange, bis das Kind sich
durch seine Arbeit selbst ernähren kann. Für die Kosten
hätten beide Eltern und zwar jedes nach Mafsgabe seiner
ökonomischen Verhältnisse aufzukommen. Die Erziehung
aber hat sich weder nach dem Stande des Vaters noch nach dem
der Mutter, sondern nach der Begabung und den Neigungen
des Kindes zu richten. Wer von den Eltern seiner Unter-
haltspflicht nicht gewissenhaft nachkäme, müfste zur Zwangs-
arbeit angehalten werden können, wie dies z. B. nach norwegi-
schem Muster in Dresden mit Bezug auf den unehelichen Vater
bereits geschieht. Auch das gehört zur Fürsorge für das Wohl
des unehelichen Kindes, dafs man seiner Geburt den ihr jetzt
anhaftenden Makel nimmt, indem man es den Namen seines
Vaters führen läfst. Weder der vorherigen noch dieser Forderung
ausgleichender Gerechtigkeit hat der Gesetzgeber bisher Rechnung
getragen, auch der im neuen Gesetzbuche zu Worte kommende hat
es noch nicht gethan. Was die letztere Forderung betrifft, so mülste
wenigstens bestimmt werden, dafs das Kind dann den Namen des
Vaters führen dürfe, wenn zwischen dem unehelichen Vater und der
unehelichen Mutter ein wenngleich nur im Familienkreise
proklamiertes Verlöbnis bestanden hat. Im Grofsherzogtum
Sachsen-Weimar-Eisenach gab es bereits eine derartige, leider nur
Bergemann, Soziale Pädagogik. 35