Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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544 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
oder ihren Angehörigen verzettelt und vergeudet, aber nicht ihrem
eigentlichen Zwecke zugeführt wird. Ein paar Beispiele aus
meinen gesammelten Erfahrungen. So erzählte mir der Ortsvor-
steher eines Dorfes in der Nähe von Jena, dafs die Tochter eines
daselbst wohnhaften Arbeiters von dem Schwänger er eine Ab-
findungssumme von 1000 Mark bekommen habe. Sie übergab
dieselbe ihrem Vater, bei dem sie sich mit dem Kinde aufhielt,
und dieser brachte das ganze Geld durch, so dafs das Kind
nunmehr der Gemeinde zur Last fällt. In einem anderen Falle
wurde eine Abfindungssumme von 600 Mark gezahlt; die Mutter
vergeudete das Geld, und das Kind mufs auf öffentliche Kosten
schlecht und recht erhalten werden. Auch das kommt bekannt-
lich nicht ganz selten vor, dafs die Eltern eines unehelichen Kindes,
namentlich sofern sie beide den höheren Ständen angehören, sich
ihren Verpflichtungen gegen das Kind dadurch so schnell wie
möglich zu entziehen suchen, dafs sie es unter Beifügung einer
gröfseren Summe bei irgendwelchen Zieheltern unterbringen, die
sich dafür verpflichten, es als ihr eigenes Kind zu erziehen und
von allen weiteren Ansprüchen abzusehen. Hier kommt das Geld
also wieder nicht dem Kinde, sondern nur dessen Zieheltern zu
gute. Beispiele flnden sich bei Taube verschiedene; aus eigener
Erfahrung ist mir auch ein Fall bekannt. Das uneheliche Kind
einer „Dame" wurde bei Schuhmachersleuten untergebracht und
denselben die Summe von 1500 Mark übergeben. Statt das Geld
zum Besten des Kindes zu verwenden, benutzten die Leute es,
um damit ihre Tochter bei ihrer Verheiratung auszustatten. Und
nicht genug damit: das arme Kind wurde aufserdem auch noch
schlecht behandelt. Es ist gestorben, ob infolge der ihm zu teil
gewordenen Behandlung wage ich nicht zu entscheiden: „böse"
Freunde und „ungetreue" Nachbarn jener Leute behaupten es. Un-
möglich ist es ja nicht: die „Engelmacherei" ist leider noch lange
kein überwundener Standpunkt. Beispiele führt Henriette Fürth
an; und mir teilte der vorher erwähnte Ortsvorsteher mit, dafs in
seinem Dorfe zwei Frauen, die aus der Ziehpflege ein Geschäft
machen, von ihm „wegen Verdachts der Engelmacherei" der Re-
gierung gemeldet worden sind: der Gesundheitszustand der bei ihnen
untergebrachten Kinder sei stets „ganz auffällig" schlecht gewesen.
All dergleichen, jede nicht dem Kinde zu gute kommende
Verwendung von Geldmitteln, die für dasselbe bestimmt sind, wird
vermieden durch die allgemeine Einführung der Generalvormund-
schaft über uneheliche Kinder und die Uberweisung aller Fürsorge