Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 543
deshalb, „weil es an Zeugen, und namentlich an glaubwürdigen,
fehlt und das Gericht den Angaben der Mutter, wenn sie auch
glaubwürdig erscheinen, doch, weil sie Klägerin ist, keinen Glauben
schenken darf." Dieser Mifsstand wird gehoben, wenn die Mutter
zur Klageerhebung nicht für berechtigt erklärt wird. „Sie darf
dann nach § 350 der Zivilprozefsordnung, weil es sich um die
Geburt eines Familiengliedes handelt, ihr Zeugnis weder nach
§ 348 Ziffer 3 wegen Verwandtschaft ablehnen, noch nach § 349
Ziffer 2, weil ihr ihre Aussage zur Unehre gereiche, und mufs
nach § 358 Ziffer 3 beeidigt werden." Als Kläger hätte der
Generalvormund der unehelichen Kinder aufzutreten.
Wer jedoch trotz alledem, namentlich im Hinblick auf § 1707
des „Bürgerlichen Gesetzbuches", welcher der unehelichen Mutter
„das Recht und die Pflicht für die Person des Kindes zu sorgen",
zuerkennt, die elterliche Vollgewalt aber vorenthält, die Einführung
jeder Art von Vormundschaft über die unehelichen Kinder ver-
wirft und zu den Pflichten auch die entsprechenden unbeschnittenen
Rechte als Gegenstück verlangt, der bedenke ferner, dafs die un-
eheliche Mutter ja zumeist nicht in der Lage ist, sich direkt der
Erziehung ihres Kindes anzunehmen, dafs daher dasselbe gewöhn-
lich in Ziehpflege gegeben werden mufs. Angesichts solchen That-
bestandes will es mir nicht als eine so grofse Ungerechtigkeit
erscheinen, wenn die unehelichen Kinder einer Vormundschaft
unterstellt werden; es geschieht das ja einzig und allein im
Interesse eben dieser Kinder. Namentlich kann bei der von mir
befürworteten Einrichtung die Generalvormundschaft über die un-
ehelichen Kinder nicht als eine besondere Zurücksetzung der un-
ehelichen Mütter angesehen werden; soll doch meiner Ansicht
nach alle Erziehung überhaupt unter öffentliche Kon-
trolle, also gewissermafsen jedes Kind unter öffentliche
Vormundschaft gestellt werden. Auch ist ja mit alledem
nicht gesagt, dafs der unehelichen Mutter niemals die elterliche
Gewalt in weniger eingeschränktem, also in dem Sinne, wie sie
den Eltern ehelicher Kinder zusteht, zuerkannt werden dürfte.
Nach Befinden des Erziehungsrates könnte das sehr wohl ge-
schehen. — Schlielslich darf man doch auch nicht die ziemlich
zahlreichen Fälle unbeachtet lassen, in denen die unehelichen
Kinder unter der Unerfahrenheit oder Not oder Leichtfertigkeit
ihrer Mütter zu leiden haben. Ich habe vornehmlich solche Fälle
im Auge, in denen vom Vater des Kindes der Mutter eine
gröfsere Abfindungssumme auf einmal ausgezahlt und von dieser