Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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542 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
Male bestellt, so ist zumeist, wie die Erfahrung, welche man in
Leipzig mit der General-Vormundschaft gemacht hat, zeigt, die
Heranziehung des unehelichen Vaters zur Alimentierung ohne aUe
Schwierigkeiten möglich. Ein Prozefs braucht nur in den seltensten
Fällen angestrengt zu werden. Um diese Erfolge zu erzielen,
mufs natürlich die ganze Einrichtung einen anerkannt offiziellen
Charakter, einen behördlichen Hintergrund haben: um nämlich
einen genügend imponierenden und einschüchternden Eindruck auf
die unehelichen Väter hervorzubringen. In Leipzig ist daher diese
Institution, das erweiterte Ziehkinderamt mit vormundschaftlicher
Berechtigung für die unehelichen Kinder, an das städtische Armen-
amt angelehnt. Dies Ziehkinderamt hat sich überhaupt in jeder
Hinsicht, auch bei der Überwachung der Ziehkinder, als aufser-
ordentlich segensreich erwiesen. Daher habe ich ja als dritte
Sektion oder Abteilung des Erziehungsrates eine solche zur Für-
sorge der unehelichen Kinder nach dem Vorbilde der Leipziger
Einrichtung empfohlen. Eines der Mitglieder, Mann oder Frau,
wäre zum Vormunde aller Kinder des betreffenden Gemeinwesens
zu bestellen; in grofsen Kommunen sind natürlich mehrere Vor-
münder vorzusehen. Da es sich dabei um ein sehr schwieriges,
verantwortungsvolles und arbeitsreiches Amt handelt, so dürfte es
angebracht sein, vielleicht von 5 zu 5 Jahren immer wieder einen
neuen Vormund zu ernennen, wobei abwechselnd ein Mann und
eine Frau an die Reihe kommen könnte. Jene Sektionen, über
das ganze Land verbreitet und untereinander sowohl wie mit den
Standesämtern und den Gemeindeverwaltungen, also ebenfalls den
Ortspolizeibehörden, in amtlichen Beziehungen stehend, würden
auch verhindern, dafs durch häufigen Wechsel des Wohnsitzes der
uneheliche Vater sich seiner Unterhaltspflicht entziehen kann, wie
dies jetzt nur zu oft vorkommt.
Ein weiterer Grund für die Einführung besagter General-
vormundschaft ist der, dafs in solchen Fällen, wo es sich nicht
nur um die Eintreibung von Alimentationsgeldern, sondern auch
um die Feststellung einer bestrittenen Vaterschaft handelt, der
Mutter die Berechtigung zur Klagestellung besser nicht gewährt
wird, so dafs sie da also eines Vormundes ohnedies bedarf. Die
Forderung, dals die Berechtigung zur Erhebung des Anspruchs
auf Feststellung der Vaterschaft der unehelichen Mutter zu ver-
weigern sei, stützt Bulling mit so triftigen Gründen, dafs man
sie als gut und richtig anerkennen mufs. Er sagt u. a., derartige
Prozesse seien da, wo die Mutter selbst klage, meistens erfolglos