Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
kontinuierlichere; sie schliefsen sich enger aneinander, und es ent-
gehen uns immer weniger Reize. An die Stelle der einstmals
vorhanden gewesenen diskreten Mannigfaltigkeiten ist ein Konti-
nuum der Empfindungen getreten. Wie es ja sehr wahrscheinlich
ist, dafs, wie Wundt einmal andeutet, Organismen existieren, bei
welchen die beim Menschen nur als Anlage vorhandene Disposition
zu einem Kontinuum der Geruchs- und Geschmacksempfindungen
zu einer wirklichen Ausbildung gelangt ist. Während es um-
gekehrt auch solche Organismen giebt, bei denen das höheren
Organismen, nun gar dem hochentwickelten Kultur-Menschen
eignende Kontinuum der Gehör- und Lichtempfindungen fehlt, so-
dafs statt dessen nur diskrete Mannigfaltigkeiten vorhanden sind.
So entsprechen den Objekten der Aufsenwelt bei den niedrigsten
Tieren nur Einzelempfindungen, und erst auf einer höheren Stufe
der Tierreihe werden mit der zunehmenden Differenzierung gleich-
zeitig auftretende Empfindungen geordnet und zu einem Bilde
verschmolzen. Ganz ähnlich verhält sich die Sache ja auch, wie
wir später noch sehen werden, bei der Perzeption seitens des noch
ganz jungen Kindes.
Die Anwendung alles dessen auf das Problem, das uns hier
beschäftigt, ergiebt sich von selbst. Soll die Erziehung die
natürlichen Anlagen des Kindes innerhalb der Grenzen
derselben entwickeln, so mufs sie diese Grenzen genau |
kennen. Sie mufs also auf eine beständig fortschrei- \
tende Analyse der psycho-physischen Beschaffenheit der i
menschlichen Natur sich stützen. Das ,naturani sequi" !
mufs das A und das 0 aller Erziehungsthätigkeit sein. '
Aber bei ihrem Bestreben, die natürlichen Anlagen des Kindes
auszubilden, mufs die Erziehung mit noch einem anderen Faktor
als blofs mit der Beschafienheit dieser Anlagen rechnen, nämlich
mit dem Milieu, mit der Umwelt. Zu den Umwelts-Einflüssen
gehört sie freilich selbst auch; aber sie repräsentiert doch eine
ganz besondere Art derselben. Wenn wir schlechtweg von
Milieu sprechen, so meinen wir die unabsichtlichen, un- '
willkürlichen Einwirkungen der Umgebung eines Men- j
sehen auf dessen Entwickelung. In diesem Sinne fasse ich j
hier das Wort „Milieu" auf Allerdings, diese unabsichtlichen,
unwillkürlichen Einwirkungen kann man auch unter den Begriff
der Erziehung bringen, wenn man darunter nichts anderes ver-