Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 539
des Zusatzes: „Es sei denn, dafs auch ein anderer ihr innerhalb
dieser Zeit beigewohnt hat", in § 1717 des „Bürgerlichen Gesetz-
buches". Zudem weisen sie gegenüber den „Motiven" überein-
stimmend darauf hin, dafs erfahrungsmäfsig Fälle, in denen ein
gefallenes Mädchen sich anderen Männern hingiebt, um ihre und
des zu erwartenden Kindes Lage zu verbessern, höchst selten sind.
„Es ist das nur möglich", sagt Bulling, „wenn das Mädchen
schon vorher sittlich ganz verwahrlost war." Da aber solche
Fälle immerhin vorkommen und, wenn sie im Gesetze gar nicht
vorgesehen sind, daraus leicht Unzukömmlichkeiten entstehen
können, scheint mir eine die Rechte des Kindes für alle Eventuali-
täten wahrende Fassung des angezogenen Paragraphen des Gesetz-
buches unbedingt erforderlich zu sein. Eine solche wird geboten
von Sera Prölfs und Marie Raschke in der Schrift „Die
Frau im neuen bürgerlichen Gesetzbuch", sie wünschen folgenden
Passus ausdrücklich hervorgehoben zu sehen: „Die Rechte des
Kindes bleiben gegen jeden, der der Mutter während der Empfängnis-
zeit beigewohnt hat, bestehen". Diese Wahrung der Rechte des
Kindes erheischt auch das Interesse der Gesellschaft.
Aufserdem sprechen endlich noch für die Beseitigung des er-
wähnten einschränkenden Zusatzes zu § 1717 des „Bürgerlichen
Gesetzbuches" moralische Gründe. Treffend heisst es in einer vom
„Rechtsschutzverein für Frauen in Dresden" herausge-
gebenen Broschüre „Das deutsche Recht und die deutschen Frauen"
also: „Durch solche Bestimmungen erhält die Leichtfertigkeit der
Männer und somit die Unsittlichkeit nur neue Stützen." Ganz
sicherlich; denn es ist ja unzweifelhaft, dals dadurch der Verkehr
mit übel beleumundeten Frauen als vom Gesetz geradezu gebilligt
erscheinen mufs, da es denselben ganz ausdrücklich straflos macht.
Auf die allgemeine Sittlichkeit mufs der angezogene Paragraph
demnach höchst schädigend einwirken. In demselben Sinne hat
sich auch Taube geäufsert. Anders die „Motive" zum „Bürger-
lichen Gesetzbuch". Dieselben sprechen sich zwar sehr entrüstet
über die Unsittlichkeit und Liederlichkeit aus, beschäftigen sich aber
in ihren Ausführungen nur mit derjenigen der Mädchen. „Wenn
man sie liest", sagt Bulling einmal sehr mit Recht, „hat man
ganz den Eindruck, als wenn sie es als etwas ganz Selbstverständ-
liches, Unabänderliches, ja Unwiderstehüches betrachteten, dafs die
Männer die Gelegenheit benützen, die sich ihnen bietet." Gewifs
giebt es sehr viele leichtsinnige und liederhche Mädchen; aber
wodurch sind sie es denn geworden? In der weit überwiegenden