Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 537
aus öffentlichen Kassen das Ziehgeld bestritten wird, scheint man
nach dem Vater nicht ernstlich zu forschen und keine energischen
Versuche zu machen, denselben zur Alimentierung zu veranlassen.
Aus einer ganzen Reihe zu meiner Kenntnis gelangter Fälle
greife ich hier nur zwei heraus. Bei einer Bahnbeamten-Witwe
in einem Dorfe in der Umgegend Jenas war ein zehnjähriges
Mädchen in Ziehpflege untergebracht, deren Mutter Dienstmädchen
ist. Das Ziehgeld wurde vom Landes-Armen-Verband gezahlt;
vom Vater hiefs es einfach: unbekannt. In demselben Orte hat
eine Stellmachers-Familie einen Ziehknaben von 11 Jahren; die
Mutter befindet sich im Arbeitshause, für das Ziehgeld kommt
die Stadt Jena auf. Vom Vater heifst es schlankweg: unbekannt.
Aber die Rücksicht auf das Gedeihen der unehelichen Kinder
und auf das Wohl der Gesamtheit heischt gebieterisch, dafs die Väter
der unehelichen Kinder mit aller Energie zur Alimentierung heran-
gezogen werden, da ja die unehelichen Mütter zumeist nicht in der
Lage sind, auskömmlich für ihre Kinder zu sorgen, so dafs die-
selben sehr oft der Verkümmerung und Verwahrlosung anheimfallen.
Sie davor zu bewahren, ist aus zweierlei Gründen nötig. Einerseits
haben die unehelich Geborenen die gleiche Forderung an das Dasein
wie die ehelich Geborenen, und anderseits ist vor allem der Nutzen
der Gesellschaft zu bedenken: die Gesellschaft wird aufs ärgste
geschädigt durch verkommene Individuen, während ihr in jeder
Hinsicht tüchtige und gesunde Menschen zum Vorteil gereichen.
Jenes Verlangen erscheint somit vom individualen wie vom sozialen
Standpunkte aus gerechtfertigt. Ferner ist dabei Folgendes in
Betracht zu ziehen. Wie jetzt, wo also die Väter der un-
ehelichen Kinder in nur verhältnismäfsig seltenen Fällen ihrer
Pflicht wirklich nachkommen, die Dinge hegen, müssen die Kin-
der zum Teil auf öffentliche Kosten erhalten werden. Auf diese
Weise werden öffentliche Gelder anderweitiger nützlicher Ver-
wendung entzogen einzig und allein deshalb, weil viele Staats-
bürger pflichtvergessene Menschen sind. Endlich verdient hier
noch ein Punkt zur Sprache gebracht zu werden. Dafs für die
vorhandenen unehelichen Kinder nach besten Kräften gesorgt
werden muls, ist ganz sicher und von mir auch gebührend hervor-
gehoben worden. Das schliefst aber keineswegs die Ansicht aus,
dafs die unehelichen Geburten überhaupt besser in Weg-
fall kämen. Dafür sprechen, wie jedermann weifs. Gründe so-
wohl wirtschaftlicher als auch im besonderen sittlicher Natur. Die
energische Heranziehung des unehelichen Vaters zur Alimentierung