Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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536 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
15 Mark pro Monat; das macht 180 Mark im Jahre. Wie soll
ein Dienstmädchen oder eine Fabrikarbeiterin eine solche Summe
erübrigen?! Das ist einfach unmöglich. Nun ist durch das Gesetz
allerdings die Alimentierung des unehelichen Kindes seitens seines
Erzeugers vorgesehen. Aber einesteils legt hier das Gesetz selbst,
z. B. früher das preufsische Gesetz vom 24. April 1854 durch
seinen berüchtigten Bescholtenheits - Paragraphen, häufig wieder
Schwierigkeiten in den Weg. Andernteils ist es eine oft be-
obachtete und festgestellte Thatsache, dals die Auszahlung der
Alimente in den seltensten Fällen freiwillig geschieht; gewöhnlich
müssen dieselben erst eingeklagt werden. Nun lehrt aber die Er-
fahrung, dafs sich dazu die uneheliche Mutter nicht immer leicht
entschliefst; mufs sie doch fürchten, dadurch den Vater ihres
Kindes, von dem sie noch immer geheiratet zu werden hofft, gegen
sich zu erbittern. Und aufserdem tritt ihr hierbei das Vormund-
schaftsgericht hindernd entgegen; sie selbst darf ja die Klage gar
nicht einbringen, sondern es mufs das für sie der Vormund des
Kindes thun. Ein solcher ist aber nicht stets schnell gefunden.
So verfügt Taube über Fälle, in denen das Kind 3 Jahre alt
war und noch keinen Vormund hatte. Unter solchen Verhältnissen
kann es vorkommen, dass die Zieheltern unehelicher Kinder nie-
mals Ziehgeld erhalten. Aus eigener Erfahrung kenne ich mehrere
Beispiele; ich will hier nur folgenden Fall mitteilen. In einem
Dorfe in der Nähe von Jena hat eine Arbeiterfamilie seit 5 Jahren
einen Knaben in Ziehpflege, für den die Eltern noch nicht das
Mindeste gethan haben. Die Mutter des Kindes ist Dienstmädchen,
der Vater Mechaniker. Jene hat sich jetzt mit einem anderen
Manne verheiratet und ist verzogen; dieser hat ebenfalls geheiratet
und sich anderorts niedergelassen. Niemand hat sich der Sache
des verlassenen Kindes angenommen; alles, was gegenwärtig ge-
schieht, besteht darin, dafs die Zieheltern des Knaben von einem
Wohlthätigkeitsverein 20 Mark pro Jahr erhalten.
Überhaupt habe ich bei meinen vielfachen Umfragen die Er-
fahrung gemacht, dafs die Väter unehelicher Kinder nur selten
bekannt sind, jedenfalls selten zur Alimentierung herangezogen
werden, auch wenn sie bekannt sind. Unter 36 im Jahre 1898
in Wenigen-Jena untergebrachten Ziehkindern findet sich nur bei
dreien der Vermerk: Vater der und der. Von diesen 3 Vätern,
von denen der eine Hausbursche, der andere Maurer, der dritte
Handarbeiter ist, zahlten 2 für ihre Kinder ganz allein, einer kam
für das Ziehgeld im Verein mit der Mutter auf Auch da, wo