Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 535
Es ist anzunehmen, dafs es sich dabei um Frauen und Mädchen
in besseren Verhältnissen handelt. Also auf 164 uneheliche Mütter
kommen, sofern meine Annahme überhaupt richtig ist, nur 9
wohlsituierte; die anderen 155 müssen sich mühsam ihr Brot ver-
dienen. Unter diesen sind wieder, wie aus obigen Daten erhellt,
die meisten Dienstmädchen, rund 76 "Iq. Dasselbe Resultat hat
sich bei einer von mir in 14 umliegenden Ortschaften gehaltenen
Umfrage ergeben: die Mütter der daselbst untergebrachten un-
ehelichen Ziehkinder sind zum weitaus gröfsten Teile, rund 72 0/0,
Dienstmädchen. Auch anderswo ist diese Beobachtung gemacht
worden; auf Grund von im Leipziger Entbindungsinstitut gesam-
melten Erfahrungen sagt Taube, dals es hauptsächlich Dienst-
mädchen sind, welche „das Opfer ihres Leichtsinnes" werden.
Und zwar gilt das nicht etwa blofs mit Bezug auf Leipzig
selbst, mit Bezug auf spezifisch Leipziger Verhältnisse, sondern
durch das Entbindungsinstitut bietet Leipzig überhaupt ziemlich
richtige Durchschnittszahlen für die Gesamtheit. Ganz dasselbe
gilt bezüglich des von mir beigebrachten Materials; die mitgeteilte
grofse Zahl von 164 unehelichen Geburten in Jena, das im Jahre
1897 etwa 16—17 000 Einwohner hatte, ist dadurch bedingt, dafs
Jena eine Entbindungsanstalt wie Leipzig besitzt. 148 jener un-
ehelichen Mütter stammen von auswärts und hielten sich in Jena
nur vorübergehend, eben zwecks ihrer Entbindung, auf. Also ist
auch hier ein entsprechender Schlufs auf die Gesamtheit gestattet,
was den Stand der das Hauptkontingent stellenden unehelichen
Mütter betrifft.
Bei einer derartigen Sachlage leuchtet von selbst ein, dass
einer in jeder Hinsicht guten Erziehung der unehelichen Kinder
aufserordentliche Schwierigkeiten im Wege stehen; es fehlt ja
dazu meist an den erforderlichen Mitteln. Die Kinder müssen
so billig wie möglich untergebracht werden und sind daher nur
zu oft so schlecht wie möglich untergebracht. Man lese beispiels-
weise nur einmal die Schilderung, welche Henriette Fürth von
dem Ziehkinderwesen in Frankfurt a. M. in ihrer Schrift „Das
Ziehkinderwesen in Frankfurt am Main und Umgebung' entwirft,
und man wird sich geradezu entsetzen. Oder wenn die Zieheltern
auch wirklich den besten Willen haben, für das ihnen anvertraute
Kind in der rechten Weise zu sorgen, so vermögen sie es in sehr
vielen Fällen doch nicht, weil eben das ihnen gewährte Ziehgeld
nicht ausreicht. Taube berechnet in seiner schon einmal er-
wähnten Schrift das für ein kleines Kind nötige Ziehgeld auf