Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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534 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
das Wort Münsterbergs: „Würde durch rechtzeitiges Eingreifen
für genügende körperliche Ernährung und für die geistige Bildung
und Erziehung des Kindes gesorgt worden sein, so würde wahr-
scheinlich in vielen Fällen eine Verschiebung in der Richtung er-
folgt sein, dafs die Ausgaben des Staates hierfür an die Stelle
der später für die Gefängnisverpflegung aufzuwendenden Mittel
getreten sein und so schon rein wirtschaftlich sich als nützliche
Aufwendung erwiesen haben würden." Es gehört eben zur er-
zieherischen Staatsfürsorge die Schaffung eines günstigst möglichen
Milieus, welches normalen Anlagen eine normale Entwickelung
sichert und pathologischen die Entfaltungs-Bedingungen entzieht.
Die individualistische Anschauungsweise, welcher Wilhelm von
Humboldt in seiner Schrift „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen
der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen", in der wir u. a.
lesen: „Der Staat enthalte sich aller Sorgfalt für den positiven
Wohlstand der Bürger", und: „Öffentliche Erziehung scheint mir
ganz aulserhalb der Schranken zu liegen, in welchen der Staat
seine Wirksamkeit halten mufs," einen klassischen Ausdruck ver-
liehen hat, ist gänzlich überwunden; wir fordern heute vom Staate,
dafs er die Heranwachsenden durch positive, d. h. legisla-
torische Mafsnahmen in jeder Hinsicht gegen intellektuelle, mora-
lische und körperliche Verkümmerung von vornherein sicherstelle.
Denn diese Sicherstellung ist unbedingt notwendig; sie wäre ent-
behrlich blofs in einer Gesellschaft, die aus lauter vernünftigen,
durch und durch moralischen Menschen in günstiger ökonomischer
Lage bestände, also in einer so idealen Gesellschaft, wie sie unsere
Erde wohl niemals beherbergen wird, wie sie in Gegenwart und
nächster, absehbarer Zukunft, auch nach der ersehnten Umgestal-
tung, jedenfalls nicht vorhanden ist und nicht vorhanden sein wird.
Wie sehr eine durchgreifende staatliche Fürsorge für die un-
ehelichen Kinder erforderlich ist, das erkennt man aus dem
Studium der einschlägigen Verhältnisse aufs deutlichste. Unter
den Müttern der unehelichen Kinder überwiegen ganz beträchtlich
die in ungünstiger Lebenslage sich befindenden Personen. So
wurden in Jena im Jahre 1897 im ganzen 164 uneheliche Kinder
geboren; deren Mütter waren in 118 Fällen Dienstmädchen, 14
Mütter waren Fabrikarbeiterinnen, 3 Tagelöhnerinnen, 2 Aufwärte-
rinnen, 3 Handarbeiterinnen, 2 Wirtschafterinnen, 2 Schneiderinnen,
3 Verkäuferinnen, 6 Näherinnen. Je eine Mutter war Plätterin,
Wärterin, verwitwete Wäscherin. Von den übrigen 9 Müttern
sind einfach 2 als Witwen, 7 schlechtweg als ledig bezeichnet.