Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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36 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
Offenbar haben wir es also in der angegebenen Richtung
mit ganz neuen Empfindungsweisen, mit einem Fortschritt zu
ganz neuen psychischen Prozessen zu thun. Dieselben können
auf nichts anderem als auf einer Verfeinerung des Organismus,
der psycho-physischen Wesenheit des Menschen, rein physiologisch
gesprochen, seines Nervensystems, besonders dessen Zentralorgans,
beruhen. Woher kommt es denn sonst, dafs die nämlichen
Gegenstände in den Menschen verschiedener Zeiten ganz ver-
schiedene Eindrücke hervorbringen, die einer früheren Epoche
kalt, gleichgiltig lassen, die einer späteren ästhetisch affizieren?
Wenn zwei Faktoren zu verschiedenen Zeiten ein verschiedenes
Produkt ergeben, so müssen sich entweder beide oder es muls
sich der eine von beiden geändert haben. Berg und Thal, Wiese,
Wald und Quelle sind die nämlichen geblieben wie zuvor; dem-
nach mufs die Modifikation, die Variation im Beschauer gesucht
werden. Dafs man mit solcher Erklärung sich wirklich auf dem
richtigen Wege befindet, geht daraus hervor, dafs, was die neuere,
die physiologische Ästhetik sehr wahrscheinlich macht, ein be-
trächtlicher Teil des schönen Eindrucks darauf beruht, dafs die
Reihenfolge von Thätigkeiten, zu denen die sinnlichen Organe
genötigt sind, um schöne Formen aufzufassen, besonders wohl mit
den Bedingungen ihrer beständigen Funktionen zusammenstimmen.
Der schöne Eindruck ist demzufolge zum nicht geringen Teil
durch die Leichtigkeit der organischen Prozesse bedingt. So
erscheint dem Auge z. B. schön, was zu solchen Bewegungen
des Blickes veranlafst, die auszuführen den Nerven des Augen-
muskelsystems leicht fallt. Dies ist nicht immer, ist nicht von
Uranfang an so gewesen, müssen wir annehmen; es hat sich viel-
mehr erst im Laufe der Zeit herausgebildet. Die Nerven sind
allmählich geschmeidiger geworden; noch mehr: anfänglich haben
sie auf gewisse Reize gar nicht reagiert. Dann hat sich ganz
langsam in ihnen Empfänglichkeit für dieselben entwickelt. Sie
haben nun die Muskulatur in Bewegung gesetzt, aber zunächst
noch in einer zu schwerfälligen Weise, als dafs Lustgefühle hätten
ausgelöst werden können, bis dann endlich auch dieses erreicht
worden ist. — Ganz ähnlich liegt die Sache bezüglich des Gehörs
und der Freude an der Musik. So ist es ganz sicher, dafs wir
uns an der Musik der Alten keineswegs berauschen würden. Auch
das menschliche Hörorgan ist eben einer aufsteigenden Veränderung,
einer Verfeinerung unterworfen. Die Reizempfindlichkeit wird
eine immer differenziertere. Unsere Empfindungen werden auch