Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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528 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
kein Licht. Die Thür ist mit einem Bindfaden angebunden. Im
Keller sah es geradezu schauderhaft aus. Es sind keine Wände,
sondern nur Bretterverschläge vorhanden, und in diesen finden
sich Ritzen von einer Gröfse, dals man mit den Händen hindurch-
fahren kann. Keine Familie verfügt über eine Küche oder einen
Speicheranteil. Als ein „Gang durch Jammer und Not" wird
der Bericht des Geschäftsführers des Vereins „Arbeiterheim" über
Wohnungsverhältnisse in Stettin bezeichnet. Darin heilst es:
„Wir traten über einen ganz kleinen Vorraum in ein fast dunkles
Loch zu ebener Erde, neben dem sich der oft gesehene Herdwinkel
befand. Der Geruch war entsetzlich. Und doch mufste hier ein
Matrose, dessen Frau und 6 Kinder leben, von denen das älteste
noch nicht konfirmiert war. Für alle 8 Personen waren in dem
Loche 3 Betten eingeschachtelt. Wie hier Menschenlungen atmen
konnten, war mir einmal wieder ein Rätsel. Freilich sahen die
Kindergesichtchen auch danach aus. Mit die schrecklichste Be-
hausung, die uns in Stettin begegnete, sollten wir indefs bald
darauf erst sehen. Eine entsetzliche alte Treppe ging es empor.
Draufsen auf der Strafse war es heller, lichter Sonnenschein, den-
noch wäre das Loch, was wir betraten, stockfinster gewesen, weil
es eben fensterlos war, wenn nicht ein Petroleumlämpchen, auf
einem Tischchen an der Wand gegenüber, ein müdes Licht gespendet
hätte. An diesem Tischchen safs ein Mann in Arbeitshemd und
Hose, den Kopf auf die Ellenbogen gestützt, die Hände im wirren
Haar vergraben und starrte vor sich in ein zerlumptes Buch.
Dicht neben dem Tisch stand ein Kinderbett, auf dem, tiefeinge-
sunken, ein ungefähr 16jähriges Mädchen safs und bei dem müden
Lampenlicht eine Flickerei zu machen schien. Soweit ich mich
entsinne, waren aufser Tisch, Kinderbettstelle und Stuhl keine Ein-
richtungsgegenstände mehr, kaum noch ein paar Lumpen an der
Erde in diesem verschwärzten, schrecklichen Loche. Nebenan war
noch ein ganz ähnliches, das indefs an der einen Wand, hoch
oben unter der Decke, ein paar vergitterte Fensterchen hatte, vor
denen dicht sich aber auch die Mauer des Nachbarhauses auf-
türmte. Das Ganze machte unwillkürlich den Eindruck einer Zelle
für schwere Verbrecher. Auch das eine armselige Bett, das an
der Wand stand, änderte an diesem Eindruck wahrlich nichts.
Einige Lumpen lagen auch hier auf dem schwarzen Fufsboden
und in einem kleinem finsteren Vorratsraum nebenan, sonst
ebenfalls kein Einrichtungsgegenstand, nichts — nichts! Und in
solchem Räume wohnten, atmeten und schliefen, wozu das Bett