Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 527
nach Dodd Kinderarbeit in Fabriken überhaupt nicht mehr vor, und
man hat sogar die Behauptung aufgestellt, dafs die Kinderarbeit in
den deutschen Fabriken bald nicht mehr vorhanden sein werde. Das
beeinflulst natürlich die Arbeitsbedingungen, wenngleich dieselben
wesentlich von anderen Faktoren abhängig sind, z. B. von der
günstigen oder ungünstigen Geschäftslage. Eine bemerkenswerte
Änderung ist allerdings bisher noch nicht zu verspüren, weder
was die Arbeitszeit, noch was das Lohnverhältnis anlangt. Doch
ist zu bedenken, dafs die Beschränkungen, wie sie jetzt der Ge-
setzgeber vorgenommen hat, noch sehr wenig tiefgehend sind.
Aber auch bei weiter- und weitestgehenden Beschränkungen würde
sich jedenfalls noch eine besondere Kompensation als nötig er-
weisen, welche in der Gewährung von staatlichen Erziehungs-
geldern oder in der Unterbringung der Kinder in staat-
lichen Erziehungsanstalten bestehen müfste. Ob eine solche
Kompensation durch eine Um- und Neugestaltung der Gesellschaft,
wie sie etwa die Sozialdemokratie im Auge hat, ganz entbehrlich
werden würde, darüber Vermutungen anzustellen ist selbstverständ-
lich ein müfsiges Beginnen: das mufs eben abgewartet werden. Wenn
ich meine Meinung äufsern soll, so glaube ich allerdings nicht, dals
je so vollkommen ideale ökonomische Zustände möglich sein werden,
welche jene Kompensation durchaus überflüssig machen würden.
Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren.
§ 58.
Unter diesen Mifsständen kommt in erster Linie natürlich der
Mifsstand in Betracht, den ich bei der Besprechung der Kinderarbeit
schon notgedrungen berühren mufste: die Notlage breiter Massen
des Volkes. Diese Notlage bedingt elendes Wohnen, unzureichende
Ernährung und Kleidung, ist somit in erster Linie für die körper-
liche Gesundheit und Entwickelung höchst nachteilig. Wie viele
der Volksschüler wohnen, das kann man aus folgenden Schilde-
rungen ersehen, welche den Beiträgen zur Wohnungsfrage, welche
die „Soziale Praxis' bringt, entnommen sind. Die vom Gemeinde-
rat in Strafsburg im Elsafs eingesetzte Wohnungskommission be-
richtete u. a., dafs in den beiden Häusern 5 und 7 des Narden-
gäfschens 16 verschiedene Parteien wohnen. 55 Personen benützen
zusammen einen Abort. Die beiden Häuser, um welche der Eigen-
tümer sich nicht im geringsten kümmert, sind total verwahrlost.
Einzelne Wohnungen sind durchaus überfüllt. Ein Zimmer hat