Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 525
den 532 283 gewerblich thätigen Kindern verrichtet über die Hiilfte
rein industrielle Arbeiten, und zwar entfallen davon 46,84 ®/o auf
die Textilindustrie. Als Folge der Erwerbsthätigkeit zeigte sich
mehrfach eine Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen
Entwickelung. In Greiz waren bei 11,6 ®/o der gewerblich be-
schäftigten Kinder nachteilige Wirkungen der Arbeit zu ver-
zeichnen. Namentlich traten dieselben bei den in der dortigen
Weberei beschäftigten Kindern hervor. Die Dauer der täglichen
Arbeitszeit betrug in Preufsen bei 41,05 % der Kinder mehr als
3 Stunden. Es wurden auch Arbeitszeiten von 7, 9 und mehr
Stunden festgestellt. Dabei sind die Löhne überaus kärglich. —
Aus den weiteren Bestimmungen der Reichs-Gewerbeordnung, wie
sie in den Paragraphen 135 bis 139a enthalten sind, erwähne ich
noch folgende Schutzmafsregeln für die jugendlichen Fabrikarbeiter.
Zwischen den Arbeitsstunden müssen regelmäfsige Pausen gewährt
werden, und zwar mufs die Pause bei Kindern mindestens 1/2 Stunde
betragen. Den übrigen jugendlichen Arbeitern mufs mindestens
vor- und nachmittags je eine halb- und mittags eine ganzstündige
Pause eingeräumt werden. Während der Pausen ist den jugendlichen
Arbeitern der Aufenthalt in den Arbeitsräumen nur dann gestattet,
wenn in denselben diejenigen Teile des Betriebes, in welchem
jugendliche Arbeiter beschäftigt sind, völlig für die Zeit der Pausen
eingestellt werden, oder wenn der Aufenthalt im Freien nicht
thunlich und andere geeignete Aufenthaltsräume ohne unverhält-
nismäfsige Schwierigkeiten nicht beschafft werden können. Für
Fabrikationszweige, welche mit besonderen Gefahren für Gesund-
heit oder Sittlichkeit verbunden sind, ist der Bundesrat ermächtigt,
die Verwendung jugendlicher Arbeiter gänzlich zu untersagen oder
von besonderen Bedingungen abhängig zu machen.
Eine sehr bunte Musterkarte erhalten wir, wenn wir die
mannigfachen Vorschläge ins Auge fassen, welche auf den Kinder-
schutz hinauslaufen. Fechner wünscht u. a: „Jede gewerbs-
mäfsige Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren ist zu ver-
bieten, ebenso die Arbeit älterer Kinder morgens vor Beginn der
Schule, nach 6 Uhr abends und an Sonntagen." Ganz untersagt
werden soll: „Hausieren, Beschäftigung in Wirtshäusern, bei
Schaustellungen und Treibjagden." Endlich: „Die staatliche Auf-
sicht ist auch auf die Beschäftigung der Kinder in der Haus-
industrie und in der Landwirtschaft auszudehnen". Seine sonstigen
Wünsche sind sehr allgemeiner Art. Stillich fordert Verbot der
Kinderarbeit in der Hausindustrie nach 6 Uhr abends bis zum