Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 523
für alle. Darum braucht sich die Kultur-Pädagogik auf halbe
Mafsregelu und Kompromifsvorschläge nicht einzulassen. Allem
Halb-Halben abhold versucht sie gar nicht erst, mit
den bestehenden Mächten zu paktieren; sondern sie geht
aufs Ganze und Volle, indem sie ihre Blicke auf die Zu-
kunft gerichtet hält. So will sie auch ohne Einschränkung
und in jeder Beziehung dem schönen Worte Nietzsche-Zara-
thustras gerecht werden, welches lautet: „Eurer Kinder Land
sollt ihr lieben: — das unentdeckte im fernsten Meere! Nach ihm
heifse ich eure Segel suchen und suchen!"
Dafs an halben Malsregeln und Kompromifsvorschlägen kein
Mangel herrscht, brauche ich wohl kaum ausdrücklich zu ver-
sichern. Die ersteren begegnen uns aufser in der Reichs-Gewerbe-
ordnung in vielen ortspolizeilichen Vorschriften und sonderstaat-
lichen Erlassen, denen ich ja gerne zugestehen will, dafs sie
manches Gute haben und jedenfalls besser als gar nichts sind;
aber man darf sich doch nicht der Illusion hingeben, dafs sie viel
helfen und nützen. In Jena besagt eine Polizeiverordnung, dafs
Kindern das Kegelaufsetzen nur bis 9 Uhr abends gestattet ist;
diejenigen, welche die Kinder länger zu diesem Zwecke zurück-
halten, haben bis 25 Mark Strafe zu zahlen. Auch dürfen in
Jena Schulkinder nicht zum Feilbieten von Blumen und Bretzeln
verwendet werden; Übertretung dieser Vorschrift wird mit einer
Geldstrafe von 5 Mark geahndet. Bezüglich des Zeitungsaustragens
aber besteht kein Verbot; ich erhielt bis vor kurzem die „Jenaische
Zeitung" allabendlich zwischen 6 und 7 Uhr von einem kleinen
Knaben von 11 Jahren zugestellt, der einen ganzen grofsen Pack
von Zeitungen unter seinem Arme haf." Dabei bemerke ich noch
ausdrücklich, dafs die „Jenaische Zeitung" das Organ der „staats-
erhaltenden" Parteien, der Konservativen und Nationalliberalen
ist. Ein Kommentar ist wohl überflüssig. Im Groisherzogtum
Sachsen-Weimar-Eisenach sind als Maximal-Arbeitszeit für in länd-
lichen Betrieben beschäftigte Kinder fünf Stunden pro Tag fest-
gesetzt. In Spandau besteht folgende Polizeiverordnung: 㤠1.
Schulpflichtige Kinder dürfen in der Zeit von 7 Uhr nachmittags
bis 7 Uhr vormittags nicht zum Austragen von Backwaren, Milch,
Zeitungen oder anderen Gegenständen, zum Kegelaufsetzen oder
zu sonstigen Verrichtungen in Schankwirtschaften, zum Aufwarten
oder zum Handeln mit Blumen oder anderen Gegenständen ver-
wandt werden. § 2. Übertretungen dieser Polizeiverordnung
werden bei Eltern oder deren gesetzhchen Vertretern und Personen,